Ratgeber

Formel fürs Alter So berechnet sich die Rente

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Wenigstens muss man die Rente nicht selbst berechnen.

Dass Senioren im Nachbarland Österreich so viel mehr Rente bekommen und dafür auch noch kürzer ackern müssen, sorgt für Aufsehen. Aber auch, wenn sich dadurch erst mal nichts an der Höhe der Altersbezüge hierzulande ändert, die gesetzliche Rente lässt sich anhand einer Formel berechnen. Hier ist sie.

Ob die gesetzliche Rente später mal zum Leben reicht, dürfte für jüngere Generationen leicht zu beantworten sein, nämlich mit Nein. Im Nachbarland Österreich sieht die Sache besser aus, auch wenn sich die beiden Renten-Systeme nicht direkt miteinander vergleichen lassen.

Aber auch, wenn sich dadurch erst mal nichts an der Höhe ändert, die gesetzliche Rente lässt sich anhand einer Formel berechnen. Wenig überraschend hängt die Rentenhöhe von der Höhe sowie der Dauer der Beitragszahlungen und damit von der Arbeitszeit ab. Um hierzulande eine gesetzliche Rente zu beziehen, muss der Beitragszahler bei der Deutschen Rentenversicherung gemeldet sein. Zudem muss eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren bei der Rentenkasse erfüllt sein. Das war's eigentlich schon. Der Wermutstropfen bei der Sache: Für viele Beschäftigte wird es trotzdem im Alter eng. Denn das Rentenniveau sinkt permanent.

Um auszurechnen, wie viel Geld Ihnen bei Rentenbeginn zusteht, wird folgende Formel angewandt:

Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor

Im Einzelnen lassen sich die Punkte wie folgt erklären:

Entgeltpunkte

Entgeltpunkte sind entscheidend für die individuelle Rentenhöhe und errechnen sich aus dem versicherten Entgelt. Bei Berechnung der Rente wird dieses Entgelt Jahr für Jahr ins Verhältnis zu dem jeweiligen Durchschnittsentgelt aller Arbeitnehmer gesetzt. Der Wert wird als Entgeltpunktwert des entsprechenden Jahres bezeichnet.

Das Durchschnittsentgelt für das Jahr 2017 beträgt beispielsweise 37.077 Euro. Das vorläufig errechnete Durchschnittsentgelt für 2018 liegt bei 37.873 Euro, für 2019 bei 38.901 Euro und für 2020 bei 40.551 Euro. Stimmt dieser Wert mit dem persönlichen Durchschnittseinkommen überein, bekommt der Versicherte genau einen Entgeltpunkt. Liegt das Gehalt höher, gibt es einen höheren Entgeltpunktwert, liegt es darunter, erhält man entsprechend weniger als einen Entgeltpunkt. Wer die Hälfte des Durchschnittseinkommens verdient, erhält folglich 0,5 Entgeltpunkte pro Jahr.

Für die Erziehung eines Kindes bekommen Eltern bis zu drei Jahre Beitragszeiten in Höhe eines Rentenpunktes in der gesetzlichen Rentenversicherung pro Kind gutgeschrieben. On top kommen dann noch die Rentenpunkte für eine etwaige rentenversicherungspflichtige Beschäftigung. Allerdings nur bis zum Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze - die bei etwa zwei Rentenpunkten liegt. Neben den Kindererziehungszeiten werden aber auch Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehungszeit anerkannt. Sie beginnen nach dem Tag der Geburt und enden nach zehn Jahren. Diese wirken sich indirekt positiv auf den Rentenanspruch aus, wenn Eltern neben der Erziehung eines Kindes eine Beschäftigung ausgeübt haben.

Denn der tatsächliche Verdienst wird durch die Berücksichtigungszeiten fiktiv höchstens bis zum Durchschnittsentgelt für maximal 10 Jahre aufgestockt, womit sich dann auch die Zahlung in die Rentenkasse erhöht. Bei der späteren Rentenberechnung wird beispielsweise ein Jahreseinkommen von derzeit 20.000 Euro um maximal einen viertel Rentenpunkt aufgewertet, was eine Aufwertung um 50 Prozent bedeutet. Dies gilt aber nur unter der Voraussetzung, dass der Elternteil 25 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten zurückgelegt hat.

Zugangsfaktor

Mit dem Zugangsfaktor werden Zu- und Abschläge bei der Berechnung der Rente berücksichtigt. Abschläge fallen beispielsweise an, wenn vorzeitig in Rente gegangen wird. Einen Zuschlag bekommt, wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze zunächst auf seine Altersrente verzichtet. Fallen weder Zu- noch Abschläge an, beträgt der Faktor 1,0. Die Regelaltersgrenze wird seit dem Jahr 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 64,0 Jahren für Männer und 64,1 Jahren für Frauen.

Aktueller Rentenwert

Mit dem aktuellen Rentenwert wird der Betrag bezeichnet, der der monatlichen Rente für einen Entgeltpunkt entspricht. Dieser wird regelmäßig angepasst. Derzeit beträgt der aktuelle Rentenwert 33,05 Euro in den alten und 31,89 Euro in den neuen Bundesländern. Er wird jährlich zum 1. Juli nach dem Rentenanpassungssatz neu festgelegt.

Rentenartfaktor

Der Rentenartfaktor bestimmt die Höhe der Rente in Abhängigkeit von der Rentenart. Dabei wird berücksichtigt, ob es sich beispielsweise um eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente handelt.

  • Renten wegen Alters: 1,0
  • Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung: 0,5
  • Renten wegen voller Erwerbsminderung: 1,0
  • Rente wegen Berufsunfähigkeit 0,6667
  • Erziehungsrenten: 1,0
  • Kleine Witwen- beziehungsweise Witwerrenten bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach Ablauf des Monats, in dem der Ehepartner gestorben ist ("Sterbevierteljahr"): 1,0, anschließend: 0,25
  • Große Witwen- beziehungsweise Witwerrente bis zum Ende des dritten Kalendermonats, nach Ablauf des Monats, in dem der Ehepartner gestorben ist ("Sterbevierteljahr"): 1,0, anschließend: 0,5
  • Halbwaisenrenten: 0,1
  • Vollwaisenrenten: 0,2
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Wer keine Lust hat, selbst zu rechnen, kann auch einen Blick in die jährlich verschickte Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung (DRV) werfen. Bei der Gelegenheit sollte diese auch auf Stimmigkeit überprüft werden - gegebenenfalls sollte bei der DRV eine sogenannte Kontenklärung beantragt werden. Wer 27 Jahre alt ist und fünf Jahre Beitragszeiten bei der Deutschen Rentenversicherung vorzuweisen hat, bekommt ab dann einmal im Jahr automatisch Post. Ab dem 55. Lebensjahr bekommen die Versicherten statt der Renteninformation alle drei Jahre eine Rentenauskunft.

Weitere Auskünfte erteilt die DRV Bund unter der kostenlosen Servicetelefonnummer 0800 1000 4800.

Quelle: ntv.de, awi