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Vorfall an der Grenze zu Mali Deutscher Helfer im Niger entführt

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Deutscher Entwicklungshelfer in Niger entführt: In der Region sind dschihadistische Gruppen aktiv.

(Foto: REUTERS)

Im Westen des Wüstenstaats Niger überfallen Bewaffnete auf Motorrädern den Konvoi einer Hilfsorganisation und entführen einen deutschen Entwicklungshelfer. Der Verbleib des Mannes ist unklar. Die Region gilt als äußerst instabil.

Im Niger ist nach Angaben der örtlichen Behörden ein deutscher Entwicklungshelfer entführt worden. Bewaffnete Männer hätten den Deutschen nahe Ayorou in der Region Tillaberi an der Grenze zu Mali verschleppt, hieß es. In der betroffenen Gegend sind Kämpfer radikalislamischer Milizen aktiv, es kommt immer wieder zu blutigen Überfällen und Anschlägen. Welche Organisation hinter der Entführung steht, ist noch unklar.

Der entführte Deutsche arbeitete den Angaben zufolge für die Hilfsorganisation "Help - Hilfe zur Selbsthilfe". Er und seine Kollegen informierten den Präfekt demnach am Morgen über ihre Reiseabsichten. Auf dem Rückweg von ihrem Einsatz seien der Deutsche und sein Fahrer dann "von bewaffneten Personen auf vier Motorrädern" angehalten worden, sagte Präfekt Jando Rhichi Algaher. Die Angreifer hätten die beiden verprügelt, den Deutschen mitgenommen und das Fahrzeug in Brand gesetzt. Der Präfekt berief sich dabei auf die Aussage des Fahrers des Deutschen.

"Erfahrener Kollege"

Die Hilfsorganisation bestätigte die Angaben der Behörden. "Help" sei in der Nacht informiert worden, dass ein Mitarbeiter, der im Niger für die Organisation arbeite, offensichtlich verschleppt worden sei, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin Bianca Kaltschmitt. Sie beschrieb den Entführten als "erfahrenen Kollegen".

"Wir haben alle nötigen Krisenmaßnahmen eingeleitet, wir können aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine näheren Angaben zu den Details des Vorfalles machen", erklärte Kaltschmitt. Die Hilfsorganisation steht demnach in engem Austausch mit der deutschen Botschaft vor Ort und dem Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes. Das Auswärtige Amt selbst wollte sich zu dem Vorfall vorerst nicht äußern.

Krisenherd im Süden der Sahara

Die Region Tillaberi gilt als äußerst instabil. Es gibt immer wieder Anschläge durch dschihadistische Gruppen. Ziele sind in der Regel militärische Einrichtungen und Flüchtlingslager. Im Oktober 2017 waren bei einem Anschlag in der Stadt Ayorou zwölf nigrische Polizisten getötet worden. Ebenfalls im Oktober wurden vier US-Soldaten einer Spezialeinheit und vier nigrische Militärangehörige in der Region getötet.

Die nigrische Regierung sprach mit Blick auf die Entführung des Deutschen von einem "Terroranschlag". Im Oktober 2016 war ein US-Entwicklungshelfer aus seinem Haus in Abalak in der Region Tahoua verschleppt worden. Ein nigrischer Soldat und ein Wachmann wurden dabei getötet. Von der US-Geisel fehlt bis heute jede Spur.

Bundeswehrmandat soll ausgeweitet werden

Im benachbarten Mali ist die Bundeswehr mit mehr als tausend Soldaten an der UN-Mission Minusma beteiligt, die das Friedensabkommen und die Waffenruhe in Mali überwachen soll. Vom Standort Gao sind es weniger als 180 Kilometer bis zur Grenze des Niger.

Soldaten aus Deutschland bleiben voraussichtlich länger in der Region stationiert: Erst am Vortag machte die Bundesregierung den Weg frei für eine Verlängerung des EUTM-Mandates in Mali. Ziel der 2013 von der EU gestarteten Mission ist die Ausbildung von Sicherheitskräften in dem westafrikanischen Krisenstaat.

Militärmanöver in der Region

Das Bundeswehrmandat soll zudem ausgeweitet werden: So soll künftig auch eine Beratung und Ausbildung in den Sektorhauptquartieren der G5-Sahel-Eingreiftruppe außerhalb Malis ermöglicht werden. Dazu zählen voraussichtlich Niger, Mauretanien und Tschad.

Die Entführung des deutschen Helfers fiel unterdessen mit dem Beginn der Militärübung "Flintlock" zusammen, an der mehr als 1500 afrikanische, europäische und US-Soldaten in dieser Region des Niger beteiligt sind. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Überfall auf den "Help"-Konvoi und dem Manöver besteht, blieb zunächst unklar.

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Quelle: n-tv.de, jki/AFP/dpa

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