Mehr Todesfälle, weniger ZuwachsDeutschland beginnt zu schrumpfen

Der demografische Wandel schlägt durch: Die Zahl der Sterbefälle übersteigt die der Geburten, das Geburtendefizit weitet sich 2025 aus. Zugleich geht die Zuwanderung zurück. Was heißt das für die Zukunft?
Die Zahl der Einwohner in Deutschland geht zurück. Im zurückliegenden Jahr lebten zum Stichtag 31. Dezember insgesamt rund 83,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, wie aus einer ersten amtlichen Schätzung zum Bevölkerungsstand hervorgeht. Die Gesamtzahl der Einwohner lag damit um etwa 100.000 Personen niedriger als im Jahr zuvor. Für 2024 gibt das Statistische Bundesamt die Einwohnerzahl noch mit rund 83,6 Millionen Einwohnern an.
Eine rückläufige Entwicklung bei den Einwohnerzahlen gab es zuletzt in den Jahren 2003 bis 2010 sowie im ersten Corona-Pandemiejahr 2020. Zwischen 2011 und 2024 war die Bevölkerung mit Ausnahme von 2020 jedes Jahr gewachsen.
Die Ursache der Entwicklung liegt für die Statistiker auf der Hand: In Deutschland erreichen derzeit mehr Menschen ihr Lebensende, als durch Geburten oder Zuwanderung neu hinzukommen. Die zugrundeliegenden Trends sind nicht neu: Die Zahl der Todesfälle bewegte sich 2025 wie bereits seit der Wiedervereinigung weit über der Zahl der Geburten. Im Westen Deutschlands verzeichnet die amtliche Statistik sogar seit den 1970er Jahren ein Defizit bei den Geburten.
"Wie in allen Jahren seit der deutschen Vereinigung 1990 überstieg auch im Jahr 2025 die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen", bestätigten die Statistiker. Im Unterschied zu den Vorjahren weitete sich das Geburtendefizit im vergangenen Jahr weiter aus, die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen wächst.
Zuzüge aus dem Ausland konnten diesen Trend im zurückliegenden Jahr nicht ausgleichen. Die sogenannte Nettozuwanderung, also der Saldo aus Zuzügen und Fortzügen, schwächte sich 2025 "deutlich" ab, wie das Bundesamt mitteilte.
"Die Lücke zwischen den Geburten und Sterbefällen konnte erstmals seit 2020 durch die Wanderungsgewinne nicht geschlossen werden, sodass die Bevölkerungszahl sank", fassen die Experten die Entwicklung zusammen.
Für 2025 rechnet das Bundesamt nur noch mit 640.000 bis 660.000 Geborenen. Dem stehen gut eine Million Gestorbene gegenüber. Daraus ergäbe sich für 2025 ein Geburtendefizit von 340.000 bis 360.000 Personen. In den 2010er Jahren war das Defizit mit durchschnittlich 171.423 Menschen deutlich niedriger.
Rund 650.000 Geburten auf eine Million Tote
In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 gab es laut Statistischem Bundesamt 220.000 Zuzüge mehr nach Deutschland als Fortzüge ins Ausland. Damit war der Saldo deutlich geringer als im Vorjahreszeitraum, als der Wert zwischen Januar und Oktober bei 391.500 lag.
Für das Gesamtjahr 2025 dürfte die Nettozuwanderung den bisher vorliegenden Schätzungen zufolge Werte zwischen 220.000 bis 260.000 Personen erreichen. Die Zuwanderung von außen fällt damit voraussichtlich schwächer aus als in den Vorjahren. Das Wiesbadener Bundesamt geht davon aus, dass dieser Einflussfaktor in der Bevölkerungsentwicklung "um mindestens 40 Prozent" niedriger angesetzt werden muss als im Jahr 2024. Auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie im Jahr 2025 lag die Nettozuwanderung zuletzt im Corona-Pandemiejahr 2020. Im Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2024 war der jährliche Wanderungssaldo mit 356.000 Personen deutlich höher.
Insgesamt bestätigen sich damit Trends, die in der deutschen Bevölkerungsentwicklung bereits seit Längerem erkennbar sind. Bereits im Dezember warnten Demografie-Experten des Statistischen Bundesamts vor den Auswirkungen einer zunehmenden Überalterung. Mit Blick auf die Entwicklung bei der Geburtenrate, die Lebenserwartung sowie verschiedene Szenarien bei der Zuwanderung gingen sie in ihrer Prognose davon aus, dass die Gesamtzahl der Einwohner Deutschlands in den kommenden Jahrzehnten sinken dürfte - mit zunehmendem Druck auf die Sozialsysteme.
Schon in zehn Jahren dürfte demnach bereits jeder vierte Einwohner Deutschlands 67 Jahre oder älter sein, hieß es. Regional sind die Auswirkungen dieser Trends bereits heute zu erkennen. Die Effekte dürften die Bundesländer allerdings sehr unterschiedlich treffen, wie regelmäßig aktualisierte Studien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ergeben.
Strukturschwache Landstriche sind in den Raumordnungsprognosen des BBSR insbesondere im Osten, aber auch in Teilen von NRW, des Saarlands sowie von Rheinland-Pfalz zu erkennen. Dort sehen sich Ortsbürgermeister, Kommunalverwaltungen und Raumplaner mit wachsenden Problemlagen konfrontiert: Wie viele Schul- und Kita-Plätze sollten die Gemeinden dort vorhalten? Wie sieht es mit langfristigen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur aus? Auf welche Bevölkerungszahlen sollen Abwasserkanäle, Nahverkehrssysteme und Pflegeheime ausgelegt werden? Und: Wie wird sich die regionale Nachfrage nach Wohnraum verändern?
"Der demografische Wandel wirkt sich vielfältig auf die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen und auf die regionale Daseinsvorsorge aus", fasste das BBSR die sich abzeichnenden Veränderungen zusammen. Welche Regionen in den kommenden Jahren tatsächlich - wie vorhergesagt - wachsen oder schrumpfen werden, ist allerdings noch offen: Ob die Einwohnerzahl einer Region zurückgeht oder zunimmt, heißt es, hänge längst nicht nur von Geburten und Sterbefällen oder den Zu- und Fortzügen ab. Die zugrunde liegenden Trends können durch strukturelle oder politische Maßnahmen beeinflusst werden.