Politik

Millionenbetrag für NS-Verfolgte Deutschland entschädigt algerische Juden

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In Algier jubeln die Menschen am 18. November 1942 den US-amerikanischen Soldaten zu und zeigen das "Victory"-Zeichen.

(Foto: AP)

Zwischen 1940 und 1942 leiden schätzungsweise 25.000 algerische Juden unter der Verfolgung durch das Nazi-Regime: Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende sollen sie nun entschädigt werden. Die Bundesregierung stellt dafür rund 64 Millionen Euro zur Verfügung.

Deutschland will erstmals eine große Gruppe von Holocaust-Überlebenden aus Algerien entschädigen. Die sogenannte Claims Conference teilte in Tel Aviv mit, es handele sich um schätzungsweise 25.000 algerische Juden, von denen die meisten heute in Frankreich leben. Rund 3900 der Betroffenen leben in Israel. Die algerischen Juden sollen eine einmalige Zahlung von jeweils 2556 Euro erhalten - insgesamt beläuft sich die Entschädigungssumme also auf rund 64 Millionen Euro. Dies sei das Ergebnis von Verhandlungen der Claims Conference mit der deutschen Regierung, sagte eine Sprecherin.

Das Bundesfinanzministerium bestätigte die Vereinbarung über eine einmalige Leistung. "Die besondere historische Konstellation in Algerien erforderte längere gemeinsame Gespräche", teilte ein Sprecher mit. Die 1951 gegründete Conference on Jewish Material Claims against Germany - kurz Claims Conference - ist der Dachverband jüdischer Organisationen, der sich für die Wiedergutmachung für Überlebende des Holocaust oder deren Erben einsetzt.

Entschädigt werden sollen nun Juden, die zwischen Juli 1940 und November 1942 in Algerien lebten und unter Nazi-Verfolgung litten. "Dies ist eine lange überfällige Anerkennung für eine große Gruppe von Juden in Algerien, die unter anti-jüdischen Maßnahmen von Nazi-Verbündeten wie dem Vichy-Regime litten", sagte Greg Schneider, Vize-Präsident der Claims Conference. Diese Gruppe habe mit Beschränkungen im Bereich der Bildung, des politischen Lebens und der Arbeit kämpfen müssen. Ihnen sei die französische Staatsbürgerschaft entzogen worden und sie seien "ausgesondert worden, nur weil sie Juden waren".

Entschädigungszahlungen ab Juli

Die Juden in Algerien, Marokko und Tunesien lebten bis 1942 unter dem Vichy-Regime, das mit Nazi-Deutschland verbündet war. Sie waren von den antisemitischen Gesetzen des französischen Marschalls Philippe Pétain betroffen. Nach Angaben der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem lebten bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 rund 120.000 Juden in Algerien. Jüdische Soldaten in der algerischen Armee seien während der Vichy-Herrschaft in ein Zwangsarbeitslager gesperrt worden.

Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, sagte: "Die Zahlung ist ein kleiner Teil der Gerechtigkeit, die diese Überlebenden verdient haben, aber die Anerkennung ist wichtig, und wir werden weiter kämpfen, bis jeder Überlebender anerkannt worden ist." Entschädigungszahlungen für Berechtigte sollten im Juli beginnen. Die Claims Conference will in Paris laut Mitteilung ein Registrierzentrum einrichten, weil sich dort die meisten der algerischen Überlebenden aufhielten.

Es solle von Februar bis April 2018 geöffnet bleiben. Als Ergebnis von Verhandlungen mit der Claims Conference hat Deutschland seit 1952 umgerechnet rund 56 Milliarden Euro Entschädigung an Nazi-Verfolgte gezahlt. Die Überlebenden aus Algerien seien vermutlich die letzte große Gruppe, die eine solche Entschädigung von Deutschland erhalten werde, sagte Schneider der israelischen Zeitung "Haaretz".

Quelle: ntv.de, jug/dpa