Politik
Die Chemnitzer Bahnhofstraße soll Schauplatz der Pöbeleien gegen Migranten am 26. August gewesen sein.
Die Chemnitzer Bahnhofstraße soll Schauplatz der Pöbeleien gegen Migranten am 26. August gewesen sein.(Foto: picture alliance/dpa)
Freitag, 07. September 2018

Maaßen zweifelt an Echtheit: Die Fakten zum strittigen "Hetzjagd"-Video

Ist ein im Netz kursierendes Video, das einen Angriff auf zwei dunkelhäutige Menschen in Chemnitz zeigen soll, echt? Verfassungsschutzpräsident Maaßen zeigt sich skeptisch - und wird dafür scharf kritisiert. Was ist dran an Maaßens Einschätzung?

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zweifelt an den Berichten über "Hetzjagden" rechter Demonstranten gegen Migranten in Chemnitz. Das sagte er jetzt der "Bild"-Zeitung. Es lägen keine Belege dafür vor, dass ein im Internet kursierendes Video zu dem angeblichen Vorfall authentisch sei, sagte Maaßen. Auf welches Video er sich bei dieser Aussage bezieht, sagte er allerdings nicht.

Datenschutz

Vermutlich aber handelt es sich um einen Clip des Twitter-Acounts der privaten antifaschistischen Internetseite "Antifa Zeckenbiss" vom Abend des 26. August. Zu sehen ist eine Personengruppe, die auf zwei dunkelhäutige Männer in Jeans zugeht. Die beiden fühlen sich offenbar bedroht und laufen davon. Aus der Gruppe heraus werden ihnen Parolen wie "Haut ab" und "Kanaken" oder "nicht willkommen" hinterher gerufen. "Antifa Zeckenbiss" kommentiert die Szene mit "Menschenjagd in Chemnitz. Nazi-Hools sind heute zu allem fähig." Das Video wurde inzwischen mehr als 370.000 Mal aufgerufen.

Was ist dran an Maaßens Aussage? Lässt sich das Video tatsächlich nicht zweifelsfrei einordnen? Hier die wichtigsten Antworten:

Welcher Ort ist zu sehen?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um die Chemnitzer Bahnhofstraße an der Johanniskirche. Details aus dem Video, wie ein Kirchturm, Straßenschilder, eine Werbetafel und die Bebauung, sind in Satellitenaufnahmen wiederzuerkennen. 

Wann wurde das Video aufgenommen?

Video

Wetter und Kleidung passen zu den äußeren Bedingungen am 26. August in Chemnitz. Die Schatten stimmen mit dem Sonnenstand am späten Nachmittag dieses Tages überein. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung um 20.56 Uhr war es in Chemnitz allerdings schon dunkel - es ist also einige Zeit zwischen Vorfall und Upload vergangen.

Wer hat das Video aufgenommen?

Das ist tatsächlich unklar. Das Hochkant-Format, die ruckartigen Bewegungen und die Bildqualität sprechen für die Handyaufnahme eines Amateurs. Es ist denkbar, dass "Antifa Zeckenbiss" nicht selbst der Urheber des Videos ist: Der Account veröffentlicht regelmäßig Videos von verschiedenen Orten, die geografisch weit gestreut sind. Zudem hatte bereits knapp vier Stunden vor dem Tweet der freie Journalist Johannes Grunert, der für "Zeit Online" aus Chemnitz berichtete, von Übergriffen auf Migranten exakt an dem Ort geschrieben. Die Deutsche Presse Agentur hat "Antifa Zeckenbiss" auf Twitter für Nachfragen kontaktiert.

Was sagen die Behörden zu dem Vorfall?

Einem Bericht des "Zeit"-Ablegers "Zett" zufolge ist einer der verfolgten Männer im Video ein 22-jähriger Afghane. Er soll am 29. August wegen des Vorfalls bei der Polizei Anzeige erstattet haben. Die Polizei Chemnitz wollte sich dazu nicht äußern. Der Sprecher der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, bestätigte aber eine Anzeige in Zusammenhang mit diesem Video. Ein Mann habe eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung gestellt. Klein wollte sich nicht festlegen, ob der Mann, der die Anzeige stellte, der Verfolgte ist. Die Ermittlungen liefen, weitere Angaben machte Klein aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht.

Quelle: n-tv.de