Politik

Wahl in Hamburg Die SPD muss die Wohlfühloase verlassen

3nny4159.jpg7188399524115495848.jpg

Olaf Scholz ist Erster Bürgermeister von Hamburg und wird es bleiben.

(Foto: dpa)

Die Wahl in Hamburg wird spannend: Die FDP kann auf ein Comeback hoffen, die AfD auf ihren ersten Erfolg in einem West-Bundesland. Die Grünen könnten in den Senat einziehen, die SPD dürfte ein gutes Ergebnis erreichen. Nur für die CDU sieht es schlecht aus.

Die einflussreichsten Bundesländer sind Hamburg und Bremen nicht gerade. Aber in diesem Jahr wird in den beiden hanseatischen Stadtstaaten gewählt. Und da es die einzigen wichtigen Wahlen des Jahres in Deutschland sind, gelten die Ergebnisse als Gradmesser für die Parteien.

3njr3128.jpg183555846751991541.jpg

Keine Frau, kein Rollkragenpulli: CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich ist weithin unbekannt.

(Foto: dpa)

Hamburg macht den Auftakt: Die knapp 1,4 Millionen Wahlberechtigten in Deutschlands zweitgrößter Metropole wählen an diesem Sonntag eine neue Bürgerschaft. Vor allem für die FDP ist die Wahl eine Chance, zu zeigen, dass sie noch da ist. Mit dem Wahlplakat der Spitzenkandidatin Katja Suding im Rollkragenpullover und mit dem Spruch "Unser Mann für Hamburg" sorgten die Liberalen für Aufmerksamkeit.

Offenbar mit Erfolg: Die letzten Prognosen vor der Wahl lassen die gebeutelte Partei und ihre Spitzenkandidatin, die vor vier Jahren antrat, die Hamburger FDP zu retten, hoffen. Christian Lindner als Bundesvorsitzender der FDP war in den vergangenen Wochen mehrmals Gast in der Hansestadt und unterstützte Sudings Wahlkampf sehr aktiv. Die aktuellen Umfragen zeigen die Liberalen knapp über der Fünf-Prozent-Marke, was zum Einzug in die Bürgerschaft reichen würde.

Ein ähnlich enges Rennen steht der AfD bevor, die große Hoffnungen hegt, erstmals in ein Parlament der alten Bundesländer einzuziehen. Dafür wurde im Wahlkampf durchaus gezielt auf die liberal-bürgerlichen Werte gesetzt - ein erheblicher Unterschied zum Auftritt der AfD in den ostdeutschen Wahlkämpfen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, wo sie im Vorjahr den Sprung in die Landesparlamente schaffen konnte. Ein Einzug in die Bürgerschaft der weltoffenen Hansemetropole wäre ein klares Statement für die Anpassungsfähigkeit der Rechtskonservativen.

Christdemokraten investieren Rekordsumme

Sollte die AfD den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, läge das sicher auch an Parteigründer Bernd Lucke, der im Hamburger Umland lebt und an der Universität Hamburgs arbeitete, bevor er in die Politik ging. Auch der stellvertretende AfD-Chef Hans-Olaf Henkel kennt sich im Norden aus, denn er ist gebürtiger Hamburger. Dementsprechend brachten die beiden Politiker ihre norddeutsche Expertise ein und unterstützten Spitzenkandidat Jörn Kruse.

Anders stellt sich die Situation für die CDU dar. Sie hat in den letzten Jahren zwar aufgeholt und will die in Hamburg tonangebende SPD bei der Wahl angreifen. Einziges Problem dabei ist nur, dass Spitzenkandidat Dietrich Wersich bisher als unbeschriebenes Blatt gilt und unter den Hamburger Bürgern noch keinen großen Wiedererkennungswert aufweisen kann. Auch deshalb investierten die Christdemokraten die Rekordsumme von 615.000 Euro und ließen 320 Großplakate aufstellen. Ob sich dadurch die Lücke zur SPD schließen lässt, darf bezweifelt werden. Momentan bewegen sich Wersich und seine Partei knapp unter 20 Prozent. Läuft es gut, knacken sie diese Marke. Trotzdem wird es im Vergleich zur letzten Wahl aus dem Jahr 2011 einen leichten Rückgang geben.

Den gibt es mit Sicherheit auch bei der SPD. Mit den eindeutigen 48 Prozent aus den letzten Bürgerschaftswahlen hatten die Sozialdemokraten ein Zeichen gesetzt, das zu seiner Zeit Strahlkraft hatte. Umfragen zeigen jedoch, dass sie diese Wohlfühloase - auch im Hinblick auf das enttäuschende Ergebnis der letzten Bundestagswahl - wahrscheinlich verlassen müssen. Im Moment liegt die Partei von Bürgermeister Olaf Scholz bei rund 45 Prozent. Deshalb machen sich die Verantwortlichen bereits Gedanken über mögliche Koalitionen - beispielsweise mit den Grünen, deren Prognosewerte mit aktuell rund 11 Prozent traditionell höher ausfallen als das letztendliche Wahlergebnis.

Reibungslos funktionieren würde eine rot-grüne Koalition voraussichtlich nicht: Der Fokus der Hamburger SPD liegt mehr denn je auf wirtschaftlichen Faktoren, denn die gestiegenen Herausforderungen der Wirtschaftshochburg Hamburg lassen kaum Raum für Experimente.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema