Politik

Elf Schiffe für die ArktisDie USA kaufen in Finnland "die besten Eisbrecher der Welt"

03.02.2026, 18:01 Uhr
imageVon Kevin Schulte
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Die Polar Star ist einer von nur drei aktiven Eisbrechern der US-Küstenwache. Satte elf weitere sollen in den nächsten Jahren allein aus Finnland dazu kommen. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Donald Trump setzt auf Finnland. Mit seinem Amtskollegen Alexander Stubb versteht sich der US-Präsident blendend. Kein Wunder, schließlich ist Trump auf Finnland angewiesen. Das nordeuropäische Land kann etwas, das die Amerikaner nicht können: Eisbrecher herstellen.

Donald Trump und Alexander Stubb verstehen sich prächtig. Kritik in Richtung seines finnischen Amtskollegen kommt vom US-Präsident nicht. Während Trump andere Staats- und Regierungschefs regelmäßig öffentlich kritisiert oder sich sogar über sie lustig macht, ist das bei Stubb anders.

Der US-Präsident und der Präsident von Finnland gehen gerne gemeinsam golfen, sind sich sympathisch und brauchen einander. Stubb, der immer wieder vor Russland warnt und felsenfest an der Seite der Ukraine steht, hat einen Zugang zu Trump, wie ihn kaum einer der europäischen Regierungs- oder Staatschefs hat. Und Trump braucht Finnland für seine Außenpolitik in der Arktis. Denn Finnland baut die besten Eisbrecher der Welt - und die USA haben fast gar keine. Deshalb hat Trump einen milliardenschweren Eisbrecher-Deal mit Stubb abgeschlossen.

"Wir kaufen Eisbrecher und bauen sie größtenteils gemeinsam. Wir kaufen die besten Eisbrecher der Welt. Finnland ist bekannt dafür, die besten Eisbrecher der Welt zu bauen", hat nicht Alexander Stubb, sondern Donald Trump gesagt. "Sie haben fast ein Monopol auf Eisbrecher. Niemand stellt sie so her wie Finnland", jubilierte Trump beim gemeinsamen Pressetermin im Oval Office.

USA haben derzeit nur drei Eisbrecher

Bei dem Treffen mit Stubb im Oktober vergangenen Jahres haben sich die beiden Staatschefs darauf geeinigt, dass Finnland dabei hilft, die amerikanische Eisbrecher-Flotte aufzubauen. Die USA haben derzeit nur drei Eisbrecher in Betrieb: die Healy, die Polar Star und die voriges Jahr neu getaufte Storis, ein zum Eisbrecher umgebautes Ölfeldversorgungsschiff.

Jetzt sollen die Finnen den Amerikanern das "Eisbrecher-Business" beibringen. Insgesamt will Trump die amerikanische Flotte um elf Eisbrecher erweitern. Vier haben die USA direkt in Finnland bestellt, sieben weitere sollen in den USA gebaut werden - mit finnischer Hilfe und finnischem Know-how.

Einen guten Preis scheinen die Amerikaner bekommen zu haben. "Wir haben einen ziemlich guten Preis ausgehandelt", frohlockte Trump im Oktober. "Wir sind das Land, das die Eisbrecher in der Hälfte der Zeit und für den halben Preis bauen kann", bestätigte ihn Stubb.

Der finnische Präsident erinnerte daran, dass Trump ihn beim ersten gemeinsamen Treffen nach dessen Wahl direkt auf Eisbrecher angesprochen hat. "Das war das Erste, was du damals erwähnt hast. Seitdem arbeiten wir gemeinsam daran", sagte Stubb, der stolz ist auf die heimische Eisbrecher-Produktion. "60 Prozent aller Eisbrecher auf der Welt werden in Finnland gebaut, 80 Prozent werden in Finnland designt. Wir bauen sie seit 100 Jahren."

"Finnland ist ein seltsames Land"

Wie macht Finnland das? Die Antwort steckt womöglich in einem Eislabor in Helsinki. In der finnischen Hauptstadt befindet sich die Zentrale von Aker Arctic. Die Firma entwickelt und erprobt Marinetechnik, vor allem Eisbrecher. Sie testet Miniatur-Modelle in einem kleinen, zugefrorenen Eiskanal in der Firmenzentrale. Ein Eisbrecher muss durch eisbedecktes Meer fahren können. Dafür muss er das Eis zerstören. Es wird aber nicht zerschnitten, sondern gebrochen, erklärt Firmenchef Mika Hovilainen das Eisbrecher-Prinzip der BBC: "Dafür braucht man eine Rumpfform, die das Eis bricht, indem sie es nach unten biegt."

Die Finnen bauen nicht nur die besten Eisbrecher der Welt, sondern sind auch am schnellsten. Im Schnitt brauchen die finnischen Konstrukteure nur zweieinhalb bis drei Jahre für einen Eisbrecher.

Dass Finnland die klare Nummer eins der Eisbrecher-Welt ist, überrascht beim Blick auf die Weltkarte nicht. Finnland ist umgeben von viel Wasser. 97 Prozent aller Warenlieferungen erreichen Finnland auf dem Seeweg. "Finnland ist insofern ein seltsames Land, als dass wir wahrscheinlich das einzige Land der Welt sind, in dem alle Häfen im Winter zugefroren sind. Deshalb haben wir so viel Know-how im Bereich Eisbrecher aufgebaut", sagte Stubb im Oktober in Washington.

China-Präsenz "wird zum Problem"

Von der jahrelangen Erfahrung im Eisbrecher-Bau will Trump unbedingt profitieren. Denn etliche Länder sind den USA weit voraus, wenn es um eisbrechende Schiffe geht. Die Kanadier sind besser aufgestellt, aber auch die Russen und Chinesen. 40 Eisbrecher besitzt allein die Kreml-Flotte, acht davon fahren mit Atomantrieb. 40 Eisbrecher? Das ist auch das langfristige Ziel des US-Präsidenten.

Auch China will der US-Präsident übertrumpfen. Peking besitzt fünf "polar-taugliche" Schiffe. "Keines ist technisch gesehen ein Eisbrecher, eher sind es Forschungsschiffe", sagt der Eisbrecher-Experte Peter Rybski gegenüber BBC. China schickt sie immer häufiger in die Arktis, erklärt er. Auch in Gebiete, die die USA als ihre "ausschließliche Wirtschaftszone" ansehen. Mit ihrer Mini-Flotte an Eisbrechern können die USA darauf nur begrenzt reagieren. "Das wird zu einem Problem", ist Rybski überzeugt.

Der Eisbrecher-Deal zeigt, wie wichtig dem US-Präsidenten die Arktisregion ist. Trump will Grönland besitzen, auch wenn er seit dem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte seine forschen Aussagen zurückgenommen hat. Das Abkommen mit Finnland ist eine Machtdemonstration, glaubt die dänische Forscherin Lin Mortensgaard. Eine derart große Flotte, wie sie Trump plane, brauche man gar nicht in der Arktis, sagt sie der BBC. Das gehe "über die praktischen Erfordernisse des Einsatzes in den eisbedeckten arktischen Meeren hinaus".

Klar ist: Trump will in jedem Fall in der Arktisregion das Sagen haben. Eine Region, auf die auch China und Russland schon längst ein Auge geworfen haben. Durch den Klimawandel werden die Schifffahrtsstrecken in der Arktis immer besser befahrbar. Neue Routen durch das Eis können den weltweiten Handelsverkehr revolutionieren. Zumindest, wenn ein Eisbrecher die Eisdecke nach unten biegt.

Der erste fertige Eisbrecher aus Finnland soll 2028 in die USA geliefert werden. Noch während der zweiten Amtszeit von Donald Trump.

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Redaktion: Caroline Amme, Christian Herrmann, Kevin Schulte

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Quelle: ntv.de

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