Politik

Pegida-Frau Oertel bei Jauch "Die werden alle gegen dich sein, Kathrin"

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Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel

(Foto: REUTERS)

Die Anhänger von Pegida verabscheuen die "Lügenpresse". Dennoch tritt mit Kathrin Oertel nun erstmals einer der Organisatoren in einer politischen Talkrunde auf. Für Pegida ist dies gleichzeitig Chance und Risiko.

Eines ist Kathrin Oertel offenbar nicht: nachtragend. Bei Facebook bekennt sich die Pegida-Frau nach wie vor zu Roland Kaiser. Noch am vergangenen Montag beim Protestzug in Dresden konnte Oertel ihren Ärger über den Schlagersänger, der sich öffentlich gegen Pegida gestellt hatte, kaum verbergen. "Sie haben sich politisch verkauft", sagte sie da und die Menge buhte. "Wir hätten mehr Rückgrat von Ihnen erwartet. Sie hätten uns gegenüber etwas mehr Neutralität zeigen können."

Lange schien es, als sei Lutz Bachmann das Gesicht von Pegida. Doch längst hat sich mit Oertel, der einzigen Frau in der Führungsriege, eine zweite Figur etabliert. Bei den letzten Demonstrationen in Dresden griff sie regelmäßig zum Mikrofon und wurde für ihre Reden bejubelt. Wie wichtig sie wirklich ist, wird auch an diesem Sonntag zu sehen sein. Oertel sitzt in der Sendung von Günther Jauch - zum Thema "Politik trifft auf Protest".

Es ist das erste Mal, dass ein Pegida-Mitglied an einer politischen Talkrunde teilnimmt. Oertels Auftritt vor Millionenpublikum ist auch eine Bewährungsprobe für das islamkritische Bündnis: Läuft es gut, kann Pegida auf weiteren Zulauf hoffen. Wenn nicht, dann könnte der Aufstieg der Gruppe jäh gestoppt werden.

Gauland hilft

Einen Vorteil hat die 36-Jährige: Völlig auf sich allein gestellt wird sie nicht sein. Zumindest auf die Unterstützung eines anderen Gastes dürfte Verlass sein. AfD-Vizechef Alexander Gauland bekundete mehrfach Sympathie für Pegida. Im Dezember besuchte er eine der Demonstrationen. Die islamistischen Morde in Paris wertete Gauland zuletzt als Rechtfertigung für die Forderungen von Pegida.

In dem Bündnis ist Oertel, die mit deutlichem sächsischen Akzent spricht, Schatzmeisterin und Pressesprecherin. Bisher mied sie jedoch meist jeden Kontakt mit der "Lügenpresse". Auch Anfragen von n-tv.de ignorierte sie mehrfach. Dennoch konnte sich die Öffentlichkeit bereits ein Bild von Oertel machen. Im Dezember trat sie gemeinsam mit Pegida-Mitorganisator René Jahn im MDR auf. Die blonde Frau mit den nachgezeichneten Augenbrauen trug eine Jacke mit Leopardenmuster und sagte Sätze wie diesen: "In Südfrankreich gibt es inzwischen mehr Moscheen als Kirchen." Bei den Pegida-Leuten kommt Oertel, die oft etwas moderatere Worte wählt als Bachmann, gut an. Eine wortgewandte Rednerin ist sie aber nicht. So liest sie ihre Reden bei den Kundgebungen in Dresden immer fast vollständig vom Zettel ab und schaut kaum in die Menge.

"Lichterglanz & Budenzauber in Altkötzschenbroda"

In der Jauch-Sendung, wo sie mit Widerspruch und Unterbrechungen rechnen muss, dürfte Oertel es nicht gerade leicht haben. Dass sie überhaupt teilnimmt, ist bei Anhängern von Pegida nicht unumstritten. Sie wissen, dass der Auftritt im Fernsehen auch negative Folgen haben könnte. Einige haben deshalb kein Verständnis, dass die Organisatoren nun doch mit der "Lügenpresse" reden. Man tue sich damit keinen Gefallen, der Auftritt gefährde den Mythos der Bewegung, ist eines der Argumente. Bei Youtube warnt Pegida-Sympathisant "Mart Hart" Oertel sogar in einer Videobotschaft. Talkshows seien reine Propagandasendungen. "Einfach wird's nicht. Kathrin, die werden alle gegen die sich sein. Das sind Profis."

Wie Bachmann stammt Oertel aus Coswig, einer 20.000-Einwohner-Stadt, 30 Autominuten von Dresden entfernt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, arbeitet sie als Wirtschaftsberaterin. Ansonsten ist wenig über Oertels Biografie bekannt. Bei Facebook ist sie erst seit einigen Monaten aktiv. Ein wenig Aufschluss gibt ihre Seite trotzdem. Oertel gefallen unter anderem die Gruppen "Nato Austritt", "So geht sächsisch", "Lichterglanz & Budenzauber - Weihnachtsmarkt in Altkötzschenbroda", "Ich bin Patriot, aber kein Nazi" - und die von Roland Kaiser.

Quelle: ntv.de

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