Politik

Tritt der Premier zurück? Diese Personen könnten Boris Johnson beerben

Nach einer ganzen Reihe von Skandalen, die für Boris Johnson zunächst oft weitgehend folgenlos blieben, scheinen seine Tage als britischer Premierminister und Parteivorsitzender der Konservativen nun doch gezählt. Aus Protest gegen ihn traten zwei wichtige Minister und weitere Regierungsmitglieder zurück. Im Rennen um seine Nachfolge gibt es bislang aber keinen klaren Favoriten. Ein Überblick der möglichen Kandidaten:

Rishi Sunak

Der erste hinduistische Finanzminister Großbritanniens wurde lange als Favorit für die Nachfolge von Johnson gehandelt. Doch Fragen zu seinem beträchtlichen Privatvermögen und Steuertricks seiner Familie schadeten zuletzt seinem Ruf. Als Finanzminister trat Sunak nun aus Protest gegen Johnsons Amtsführung zurück, was die Spekulationen um seine eigenen Ambitionen erneut anheizte.

Der 42-Jährige ist in den Online-Netzwerken erfolgreich und seine Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise brachte ihm viel Zustimmung ein. In der aktuellen Debatte um die stark steigenden Lebenshaltungskosten lehnte er jedoch zunächst weitere Hilfen für die Bevölkerung ab, worunter seine Beliebtheitswerte litten.

Jeremy Hunt

Der frühere Außen- und Gesundheitsminister unterlag 2019 im Rennen um den Parteivorsitz der Konservativen. Damals stellte er sich im Vergleich zu Johnson und dessen Clown-Image als die "ernsthafte" Alternative dar. Der frühere Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar, jedoch wenig charismatisch.

Im vergangenen Monat leitete Hunt mit klarer Kritik am Parteichef recht unverhohlen einen erneuten Versuch ein, ihm den Chefposten streitig zu machen. Unter Johnsons Führung würden die Wähler "uns nicht mehr vertrauen", eine Niederlage bei den nächsten Parlamentswahlen sei programmiert, warnte der 55-Jährige.

Liz Truss

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Außenministerin Liz Truss wird für ihre Offenheit geschätzt. Muss sich dafür aber auch zum Teil Kritik gefallen lassen.

(Foto: REUTERS)

Die amtierende Außenministerin wird in der konservativen Partei für ihre Offenheit und ihr Durchsetzungsvermögen geschätzt. Allerdings hat dies auch Fragen zu ihrem Urteilsvermögen aufgeworfen, zum Beispiel als sie im Februar Briten zum Kampf in der Ukraine aufforderte. Kritiker werfen der 46-Jährigen vor, sich durch ihre Freimütigkeit angreifbar zu machen.

Sajid Javid

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischstämmigen Busfahrers gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an. 2020 war er bereits im Streit mit Johnson als Finanzminister zurückgetreten, wurde gut ein Jahr später jedoch als Gesundheitsminister erneut ins Kabinett berufen.

Der 52-Jährige hatte Johnson lange verteidigt, trat nun aber zusammen mit Finanzminister Sunak erneut zurück. Ebenfalls wie Sunak steht Javid allerdings im Zusammenhang mit seinem Vermögen und wegen Steuertricks in der Kritik.

Ben Wallace

Der amtierende Verteidigungsminister hat im Zuge der Ukraine-Krise an Beliebtheit gewonnen. Der 52-jährige ehemalige Offizier gilt als geradlinig und kompetent. Er ist ein langjähriger Verbündeter von Premier Johnson und hat Spekulationen zu eigenen Ambitionen auf den Parteivorsitz bislang stets zurückgewiesen.

Nadhim Zahawi

Sunaks Nachfolger als Finanzminister hatte sich zuvor einen Namen als Verantwortlicher für Großbritanniens Impfkampagne gegen das Coronavirus gemacht. Davor war er Bildungsminister. Der 55-Jährige kam als Kind als Flüchtling aus dem Irak nach Großbritannien. Bevor er in die Politik ging, gründete er das bekannte Meinungsforschungsinstitut Yougov. Auch Zahawis Ruf wird von Fragen nach seinem Privatvermögen überschattet.

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Tom Tugendhat

Der 49-jährige ehemalige Armeeoffizier ist ein prominenter Abgeordneter und Vorsitzender im einflussreichen Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten. Eine Kandidatur im Falle eines Führungswechsels hat er angedeutet, parteiintern steht ihm das Lager der Anhänger von Amtsinhaber Johnson jedoch kritisch gegenüber. Profiliert hat er sich unter anderem mit einer harten Haltung gegenüber China und Kritik am Truppenabzug aus Afghanistan.

Dominic Raab

Der amtierende Vize-Premier und Justizminister leitete 2020 vorübergehend die Regierungsgeschäfte, als Johnson wegen Corona auf der Intensivstation lag. Der frühere Anwalt für internationales Recht kam als Außenminister im Zuge des chaotischen Abzugs aus Afghanistan wegen seines Urlaubs zu der Zeit in die Kritik. Sein Wechsel vom Außen- ins Justizministerium galt als Degradierung.

Quelle: ntv.de, Joe Jackson und Jitendra Joshi, AFP

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