Politik

Abhören und Hacken unmöglich Digitalministerin schwört auf Rohrpostsystem

117308957.jpg

Dorothee Bär ist Staatsministerin für Digitalisierung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Kanzleramt ist ein relativ neues Gebäude. In dem auch als "Waschmaschine" bezeichnetem Haus gibt es allerdings ein altmodisch anmutendes System, zu dem sich die Digitalministerin nun äußert.

SMS, Intranet oder E-Mail: In Zeiten der digitalen Kommunikation setzt man im Kanzerlamt weiterhin auf ein Rohrpostsystem zur hausinternen Kommunikation. Das hat die Beauftragte für Digitales, Dorothee Bär nach einer aktuellen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion bestätigt, meldet die "Saarbrücker Zeitung". In dem 2001 fertiggestellten Gebäude in der Willy-Brandt-Straße 1 benutze man sogar mit Vorliebe die altmodische Druckluftpost, so das Blatt. In diesem Jahr wurden "bisher circa 2400 Vorgänge monatlich per Rohrpost übermittelt", schreibt die CSU-Politikerin Bär in ihrer Antwort laut dem Medienbericht.

"Eine kostengünstigere Form der Übermittlung ist bis zur Einführung der elektronischen Akte im Bundeskanzleramt nicht vorhanden", so Bär weiter. Statt der Rohrpost Boten einzusetzen, würde wesentlich teurer werden. Um 120 Vorgänge täglich zu versenden, seien nämlich drei Boten zusätzlich nötig. Die Personalkosten würden sich dann auf zusätzliche 137.000 Euro belaufen, rechnet Bär in ihrem Schreiben vor.

Rohrpost ist billiger

54819203.jpg

Mit der Rohrpost werden auch an der Medizinischen Hochschule Hannover Dinge verschickt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Demgegenüber stehen die Reparatur- und Wartungskosten für das weitverzweigte Rohrpostsystem. Dafür wurden pro Jahr seit 2014 zwischen 9000 und 12.000 Euro ausgegeben. In diesem Jahr seien, so Bär, bislang Kosten in Höhe von 2500 Euro angefallen. Das antiquiert anmutende System ist nicht nur billiger, es hat auch noch andere Qualitäten. Man kann es nicht hacken und abhörsicher ist es zudem.

Für die FDP hingegen ist das vielgenutzte Rohrpostsystem im Kanzleramt ein Beleg dafür, dass die Bundesregierung in Sachen Digitalisierung hinterherhinkt. "Dass mit Dorothee Bär gerade die Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt sagt, dass die antiquierte Rohrpost quasi alternativlos sei, lässt tief blicken", wird der Parlamentsgeschäftsführer Marco Buschmann von der "Saarbrücker Zeitung" zitiert. Statt Innovation und Chancen zu nutzen, verharre die Bundesregierung in alten Strukturen.

Dabei ist das Bundeskanzleramt mit ihrem vielgenutzten Rohrpostsystem keine Ausnahme im Land. Auch in Krankenhäusern, Hochschulen, anderen Behörden und sogar in einigen Unternehmen wird das vor 150 Jahren entwickelte Kommunikationssystem noch immer genutzt.

Quelle: n-tv.de, jaz

Mehr zum Thema