Politik

Wer gehört zur Vulkangruppe?Drittes Schreiben zu Brandanschlag in Berlin sorgt für Verwirrung

07.01.2026, 18:15 Uhr
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Vier Nächte lang lagen Teile des Berliner Südwestens im Dunkeln. (Foto: picture alliance / PIC ONE)

In Berlin kommt es zu einem großen Stromausfall, ausgelöst durch einen Brandanschlag. Dafür sollen linksextreme Aktivisten verantwortlich sein, doch nach zwei Bekennerschreiben und einer Gegendarstellung gibt es Ungereimtheiten beim Täterkreis. Waren Nachahmer am Werk?

Über die mutmaßlich linksextremen Täter des Brandanschlags auf kritische Stromleitungen in Berlin herrscht nach der Veröffentlichung eines nunmehr dritten Schreibens zu dem Vorfall von angeblichen Mitgliedern der "Vulkangruppe" weiter Unklarheit. Die angeblichen Gründer der Gruppe teilen in dem Schreiben mit, sie hätten mit dem Anschlag nichts zu tun und wehren sich gegen "Vereinnahmung" - wohl durch linke Trittbrettfahrer. Demnach soll die ursprüngliche Gruppe nur zwischen 2011 und 2014 Angriffe auf kritische Infrastruktur verübt haben.

"Die Texte und Aktionen der letzten Jahre stammen nicht von uns. Sie widersprechen dem, wofür wir standen und warum wir überhaupt gehandelt haben", heißt es in dem Schreiben. Es sei der Gruppe um "Sichtbarkeit von Verantwortung" gegangen und nicht um moralische Überhöhung oder um eine Logik der "permanenten Sabotage". Ziel seien "Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte" gewesen.

"Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 hat sich der Kontext grundlegend verschoben. Was zuvor als Kritik an westlicher Militärpolitik formuliert werden konnte, geriet in eine Lage, in der jede Form von Infrastrukturangriff objektiv Teil einer allgemeinen Destabilisierug wird." Man habe erkannt, dass "unsere früheren Mittel unter den geänderten Bedingungen neu gedacht werden müssen".

Innenministerium: Linksextreme Täter

Diese Zeilen tauchen auf der linken Plattform Indymedia auf, nachdem eine "Vulkangruppe" in einem zweiten angeblichen Bekennerschreiben zum Brandanschlag in Berlin Spekulationen über eine russische Beteiligung zurückweist. Nun stellt sich die Frage, ob für den Anschlag am Wochenende tatsächlich Trittbrettfahrer aus der linken Szene verantwortlich sind, die mit der ursprünglichen Gruppe nichts zu tun haben.

Ob das dritte Schreiben von den Gründern stammt, kann nicht überprüft werden. Verdächtige wurden seit 2011 nie gefasst. So viel steht fest: Das Bundesinnenministerium hält das erste aufgetauchte Bekennerschreiben für authentisch und geht von einer "linksextremistischen" Gruppe aus.

Die sogenannte Vulkangruppe (oder angebliche Mitglieder) reklamiert seit rund 15 Jahren Anschläge auf neuralgische Infrastruktur in der Bundeshauptstadt und dem angrenzenden Umland. Den Auftakt ihrer Aktionen bildete ein Anschlag auf ein Starkstromkabel am Berliner S-Bahnhof Ostkreuz - einem der meistgenutzten in der Stadt. Es folgten weitere Attacken auf Kabelsätze und Stromkästen der Deutschen Bahn.

Folgenschwerster Brand bei Tesla

2018 traf es erneut ein Starkstromkabel im Stadtteil Charlottenburg. 6500 Wohnungen und 400 Firmen waren mehrere Stunden ohne Strom. 2020 wurde ein Kabelschacht des Heinrich-Hertz-Instituts in Brand gesetzt. Allein bis 2019 ging der Landesverfassungsschutz von mindestens acht Fällen von Anschlägen und Sabotageakten der Gruppe aus. Bis März 2024 wurden der Gruppe elf Anschläge vorgeworfen.

Die folgenreichste Aktion bisher war der Brand eines Strommastes nahe der Gigafactory von US-Elektro-Autobauer Tesla in Grünheide. Ähnlich wie zuletzt im Berliner Südwesten fiel der Strom in vielen Haushalten aus. Vor allem aber stand die Produktion im Tesla-Werk still - eine Woche lang. Der Konzern rechnete mit mehreren Hundert Millionen Euro Schaden.

In allen Fällen veröffentlichte die sogenannte "Vulkangruppe" Bekennerschreiben. Dabei wählte sie allerdings unterschiedliche Namen. Der Berliner Verfassungsschutz ging trotzdem davon aus, dass es sich jeweils um die zumindest in Teilen gleiche Autorengruppe handelte. Das legten die Texte der Bekennerschreiben "in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen" nahe, hieß es im Verfassungsschutzbericht von 2019.

Klarheit gibt es aber bis jetzt nicht. Obwohl die Gruppe vermutlich seit 15 Jahren existiert, können Ermittlungsbehörden bisher nicht im Ansatz klären, wie viele Menschen dazugehören. Das dritte Schreiben sorgt nun für noch mehr Verwirrung über die Täter des Brandanschlags im Berliner Südwesten.

Quelle: ntv.de, dsc/als

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