Politik

Keine False-Flag-Aktion"Vulkangruppe" weist "Russenverdacht" zurück

07.01.2026, 08:41 Uhr
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Das Technische Hilfswerk (THW) füllt Diesel in einem Notstromaggregat in Berlin-Nikolassee nach. (Foto: picture alliance/dpa)

Zunächst erscheint nach dem Brandanschlag in Berlin alles klar: Linksextremisten bekennen sich zu der Tat, die Behörden bestätigen den Verdacht. Dann gibt es Zweifel aufgrund sprachlicher Eigenheiten im Bekennerschreiben. Der Blick wandert gen Russland. Zu Unrecht, wie die "Vulkangruppe" nun klarstellt.

Die für den Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins verantwortliche "Vulkangruppe" hat sich in einer weiteren Erklärung zu Spekulationen über den Hintergrund der Tat geäußert. In dem Schreiben heißt es: "Zu den kursierenden Unterstellungen einer angeblichen 'False-Flag-Aktion' eines ausländischen Staates sagen wir klar:

Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren."

Hintergrund: Kurz nach Erscheinen des sehr umfangreichen Bekennerschreibens der Gruppe gab es zahlreiche Spekulationen infolge sprachlicher Ungereimtheiten. Zum einen fielen zahlreiche Rechtschreibfehler - Giffay statt Giffey, Miley statt Milei und Vans statt Vance - auf. Vans statt (US-Vizepräsident JD) Vance führten einige Nutzer in Sozialen Medien auf Übersetzungen aus dem Russischen zurück. Das hätten den Angaben zufolge Sprachanalysen von KI-Chatbots ergeben. Auch zahlreiche Formulierungen wurden als im Deutschen sehr ungewöhnlich identifiziert. Der Tenor war bei vielen: So schreibt niemand im Deutschen. Es wurde vielfach die Vermutung formuliert, der Text könnte ursprünglich auf Russisch formuliert und dann ins Deutsche übersetzt worden sein. Andere Nutzer wiederum behaupteten, auch nach Nutzung von KI-Chatbots, keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Russischen erkannt zu haben.

Es wurde dennoch der Verdacht geäußert, statt einer linksextremen Gruppe könnte der russische Geheimdienst hinter dem Angriff stehen. Das Landeskriminalamt Berlin sah dies jedoch anders und legte sich schnell auf Täter aus dem linksextremen Spektrum fest. Ähnlich äußerte sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner kurz nach dem Anschlag. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums war zurückhaltender. Sie sagte: "Die Authentizität des Bekennerschreibens ist aus unserer Sicht nicht abschließend geklärt." Eine linksextremistische Motivation sei allerdings "naheliegend". Die Möglichkeit, dass ein staatlicher Akteur hinter dem Brandanschlag stecke, gehöre "zu den hypothetischen Fragen", hieß es am Montag weiter.

"Vulkangruppe": Äußerer Feind nur konstruiert

In der Richtigstellung der "Vulkangruppe" heißt es nun allerdings: "Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden. Also wird ein äußerer Feind konstruiert. Das ist bequem, entlastet und verschiebt die Debatte." Weiter schreibt die Gruppe: "Wer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren."

Abschließend klären lässt sich die Urheberschaft des Brandanschlags gegenwärtig nicht. Fakt ist: Unter dem Label "Vulkangruppe" sollen Extremisten seit 2011 rund ein Dutzend Anschläge auf Bahn- und Energieinfrastruktur in Berlin und Brandenburg verübt haben - teils mit massiven Auswirkungen. Festnahmen oder Verdächtige hat es allerdings nie gegeben. Im Verfassungsschutzbericht des Landes Berlin wird die Gruppe geführt. Sie wird dem anarchistischen, linksextremen Spektrum zugeordnet. Wer und wie viele Menschen sich hinter der Gruppe verbergen, können die Behörden allerdings nicht sagen.

Derweil konnte der Betreiber Stromnetz Berlin weitere 2000 Haushalte und 100 Gewerbebetriebe wieder ans Netz nehmen. Gegenwärtig seien noch 19.900 Haushalte und 1200 Unternehmen ohne Strom, heißt es auf der Website. Der Betreiber bat allerdings alle Menschen, die in der Zwischenzeit Strom haben, "den Stromverbrauch erst einmal auf ein unbedingt notwendiges Minimum zu beschränken." So sollten etwa Geräte wie Waschmaschinen oder Trockner zunächst nicht genutzt werden. "Auch das Laden von Elektro-Fahrzeugen über die heimische Wallbox soll erst einmal unterbleiben", wie es hieß.

Am Samstagmorgen waren im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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