Politik

Randale in St. Pauli und Altona Dutzende Verletzte und Festnahmen bei Anti-G20-Protest

Die Kundgebung "Welcome to Hell" soll die Mächtigen der Welt das Fürchten lehren. Nach friedlichem Start kommt es zu Zusammenstößen - beteiligt ist der etwa 1000 Personen starke Schwarze Block. Es gibt Verletzte und Festnahmen.

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Am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg ist es zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Nach der Auflösung der Anti-G20-Demonstration "Welcome to Hell" nur eine Stunde nach deren Beginn kam es zunächst zu Blockaden und Wasserwerfereinsätzen. Danach verteilten sich Demonstranten auf mehrere Stadtteile.

Die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die rund 12.000 großteils friedlichen Teilnehmer der Demonstration auseinander. Sie meldete insgesamt 74 verletzte Polizisten, drei von ihnen mussten demnach im Krankenhaus behandelt werden. Piloten eines Polizeihubschraubers erlitten nach Angaben der Polizei Augenverletzungen durch Laserpointer. Auch zahlreiche Demonstranten wurden nach Angaben der Veranstalter verletzt - einige ernsthaft.

 Andreas Blechschmidt von den Anmeldern von "Welcome to Hell" sagte unter Berufung auf Aussagen von Anwälten der Demonstranten, es habe bis späten Donnerstagabend zwischen 10 und 20 Festnahmen gegeben. Nach Polizeiangaben hatten sich etwa 1000 Vermummte unter die Demonstranten gemischt. 

Die Einsatzkräfte forderten Unbeteiligte auf, sich vom Geschehen zu entfernen, "um den Einsatzkräften die Arbeit zu erleichtern". Die formierten sich später neu in zwei kleinere Protestzüge und setzten nach Verhandlungen mit der Polizei nach etwa zweistündiger Unterbrechung gegen 22 Uhr ihren Weg auf der angemeldeten Route fort. Die Polizei teilte mit, dass zwei Aufzüge - einer an der Reeperbahn und einer an der Hafenstraße - zusammengeführt werden sollen.

Laut Polizei errichteten G20-Gegner in St. Pauli und Altona zum Teil brennende Barrikaden. Baustellen, Ampeln, Autos, Banken und das Amtsgericht Altona seien beschädigt worden. Bei dem zur Stunde noch andauernden Einsatz seien bisher 15 Polizeibeamte verletzt worden.

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Nach einer anfangs friedlichen Kundgebung gegen das Treffen der großen Wirtschaftsmächte am Fischmarkt waren, kurz nachdem sich die ursprüngliche Demonstration vom Fischmarkt aus in Bewegung gesetzt hatte, Flaschen geflogen und Feuerwerkskörper gezündet worden. In Altona wurde eine Ikea-Filiale angegriffen. Die rigoros vorgehende Polizei setzte wiederholt Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die rund 12.000 Teilnehmer auseinander. Es gibt eine nicht genau bekannte Zahl von Verletzten. Unbestätigten Berichten zufolge soll ein Demonstrant schwer verletzt worden sein. Der Veranstalter erklärte die Demonstration kurz nach 20 Uhr für beendet.

Wer rastete zuerst aus?

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Nach Darstellung der Polizei ging die Gewalt von Demonstranten aus dem sogenannten Schwarzen Block aus. Die Polizei sagte, man habe versucht, die Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen. Polizeisprecher Timo Zill hatte zu Beginn erklärt, man werde Vermummungen nicht dulden. Solange diese nicht abgelegt würden, dürfe der Zug nicht weiterziehen. Laut Polizei wurden Beamte mit Latten und Flaschen angegriffen und mit Flaschen beworfen.

Auch Polizei-Pressesprecher Zill wurde angegriffen. Er flüchtete sich laut Polizei in einen Rettungswagen. Die Täter versuchten nach ihren Angaben, die Tür des Rettungswagens aufzureißen und schlugen auf diesen ein. Der Wagen fuhr schließlich mit Blaulicht davon. Der Polizeisprecher blieb unverletzt.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Strategie der Polizei. "Die Auseinandersetzungen bei der Demonstration "Welcome to Hell" waren eine Eskalation mit Ansage: Es ist offenkundig, dass diese Demonstration nach dem Willen von Polizei und Senat nie laufen sollte", sagte Roland Süß vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

Großer Teil der Demo bleibt friedlich

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Tausende Demonstrationsteilnehmer blieben jedoch friedlich und harrten während der Tumulte am vorderen Ende des Demonstrationszuges zunächst der Dinge. Nachdem die Polizei den Schwarzen Block auseinandergetrieben hatte, setzte sich das Ende des Zuges langsam in Bewegung. Auch an anderen Orten zogen Gruppen von Demonstranten durch die Straßen. Die Polizei teilte mit, dass auf der Reeperbahn nun Kooperationsgespräche über einen neuen Aufzug stattfänden. Dort sollen etwa 1500 Menschen wieder zusammengefunden haben.

Von Anfang an war klar, dass die Demonstration die wohl die härteste Anti-G20-Kundgebung von insgesamt 30 angemeldeten Protestaktionen werden würde. Die Polizei rechnete im Vorfeld mit bis zu 8000 gewaltbereiten Demonstranten bei der offiziell als "Für eine solidarische Welt - gegen den G20-Gipfel" angemeldeten Kundgebung. Am Startpunkt, dem Hamburger Fischmarkt, gab es Musik und Redebeiträge. Die Demonstration sollte vom Fischmarkt über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen.

Anders als für andere Veranstaltungen hatte die Polizei für "Welcome to Hell" keine Auflagen erlassen. Anmelder Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum "Rote Flora" warf Innenbehörde und Verfassungsschutz dennoch vor, "eine massive Kampagne" gegen Demonstranten zu führen.

 

Quelle: n-tv.de, bad/nsc/dpa

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