Politik

Taliban belagern Provinzstadt Dutzende Zivilisten fallen Gefechten zum Opfer

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Eine Patrouille in Laschkargah: Die UN befürchtet "katastrophale" Auswirkungen für den Zivilschutz.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die lokalen Sicherheitsbehörden in Afghanistan können immer weniger gegen die vorpreschenden Taliban ausrichten. Allein in der Provinzstadt Laschkargah sterben binnen eines Tages Dutzende Zivilisten. Das Militär fordert die Bewohner auf, so schnell wie möglich zu fliehen.

Die andauernden Gefechte in der Provinzhauptstadt Laschkargah im Süden Afghanistans fordern immer mehr zivile Opfer. Binnen 24 Stunden seien in der Stadt mindestens 40 Zivilisten getötet und 118 verletzt worden, teilte die UN-Mission in Afghanistan auf Twitter mit. Sollten die Parteien nicht mehr für den Zivilschutz in Afghanistan tun, drohten "katastrophale" Auswirkungen. Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen haben die Taliban bedeutende Gebietsgewinne vor allem im ländlichen Raum erzielt.

Aktuell verlagern sich die Gefechte zunehmend in die Städte. Kämpfe gibt es etwa in Herat im Westen sowie in Kandahar und Laschkargah im Süden. Angesicht der Belagerung von Laschkargah rief ein afghanischer Kommandeur die Bewohner dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Die Menschen müssten die Stadt "so schnell wie möglich verlassen", damit die Armee ihren Einsatz gegen die Taliban starten könne, sagte General Sami Sadat.

Heute griffen die militant-islamistischen Taliban dem Provinzrat Ataullah Afghan zufolge in Laschkargah im Zentrum in der Nähe des Gouverneurssitzes und der Polizeizentrale an. Die Regierung hält nur mehr zwei der zehn Polizeibezirke der Stadt. Sollte Kabul keine Verstärkung schicken, drohe die Hauptstadt der Provinz Helmand an die Islamisten zu fallen, sagte Afghan. Die Verteidiger würden seit elf Tagen praktisch ohne Schlaf kämpfen. Ihr größtes Problem sei, dass sich Taliban-Kämpfer in Wohnhäusern verschanzt hielten.

Taliban kapern TV-Sender

Laut Verteidigungsministerium gab es weitere Luftangriffe auf Taliban-Stellungen in der Stadt. Lokale Journalisten berichteten, diese hätten auch zivile Einrichtungen getroffen, darunter eine private Universität und eine Fabrik. Der Journalistenorganisation NAI zufolge haben in Helmand mindestens 15 Medienorganisationen, darunter fünf Fernsehstationen, wegen der Sicherheitslage den Betrieb eingestellt. Am Montag seien Taliban in die Räumlichkeiten der staatlichen Rundfunkanstalt RTA eingedrungen und hätten vier Stunden lang selbst ein Programm gesendet.

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Berichte über Dutzende Tote und Hunderte Verletzte in den vergangenen zehn Tagen gab es auch aus den Städten Herat und Kandahar. In Herat schlugen dem lokalen TV-Sender ToloNews zufolge zwei Raketen in der Nähe der Flughafen-Rollbahn ein. Ein Flugzeug, das gerade hätte landen sollen, sei nach Kabul zurückgekehrt. In einer Ansprache vor beiden Kammern des Parlaments hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani am Montag die "plötzliche Entscheidung" der USA und der Nato-Truppen zum Abzug für die Verschlechterung der Sicherheitslage verantwortlich gemacht. Er versprach, binnen sechs Monaten für Stabilität im Land zu sorgen.

Die Organisation Pro Asyl warf der Bundesregierung vor, ihre Pläne für Abschiebungen nach Afghanistan trotz des Vorrückens der Taliban voranzutreiben. Ein Abschiebeflug stehe unmittelbar bevor. Dazu sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage: "Planungen für einen solchen Flug bestehen nicht." Der CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt plädierte in einem Interview der Mediengruppe "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung" für weitere Abschiebungen von "Gefährdern und Gewaltverbrechern" nach Kabul, weil Straftäter ihr Bleiberecht verwirkt hätten. Dagegen sagte der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck, unter den aktuellen Umständen könne man keine Menschen dorthin abschieben. "Straftäter müssten dann hier in Deutschland ihre gerechte Strafe absitzen", betonte Habeck.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

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