Politik

Bodenoffensive erwartet Dutzende Zivilisten sterben in Ost-Ghuta

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Ost-Ghuta steht seit Sonntag unter massivem Beschuss.

(Foto: dpa)

In Ost-Ghuta, der letzten syrischen Rebellenhochburg in der Nähe von Damaskus, kommen zahlreiche Zivilisten durch Luftangriffe ums Leben. "Die humanitäre Lage der Zivilisten in Ost-Ghuta ist völlig außer Kontrolle", beklagt ein UN-Koordinator.

In Syrien spitzt sich die Lage dramatisch zu: Kurz vor einer offenbar unmittelbar bevorstehenden Bodenoffensive der Regierungstruppen in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta wurden dort bei neuerlichen Luftangriffen 50 Zivilisten getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Die Bewohner der von Rebellen kontrollierten Region Ost-Ghuta nahe Damaskus stehen seit Sonntag unter massivem Beschuss. Binnen drei Tagen wurden dort laut Beobachtungsstelle mehr als 200 Zivilisten getötet, allein am Montag seien 127 Zivilisten gestorben. Unter den Toten seien insgesamt knapp 60 Kinder.

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Mehr als 200 Zivilisten wurden in Ost-Ghuta innerhalb von drei Tagen getötet.

(Foto: dpa)

Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

"Auftakt zu einer Bodenoffensive"

Die regierungsnahe Tageszeitung "Al-Watan" schreibt, die Luftangriffe der Streitkräfte in Ost-Ghuta seien "der Auftakt zu einer Bodenoffensive, die jeden Moment beginnen kann". Zuvor hatten bereits Aktivisten die verstärkten Luftangriffe als Anzeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive gedeutet.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef zeigte sich entsetzt über die Angriffe auf schutzlose Zivilisten: "Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, ihren Vätern und ihren geliebten Angehörigen gerecht", erklärte Unicef-Generaldirektor Geert Cappelaere. "Haben diejenigen, die dieses Leid verursachen, noch Worte, um ihr barbarisches Handeln zu rechtfertigen?"

Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Syrien, Panos Mumtsis, forderte ein sofortiges Ende der Luftangriffe auf Ost-Ghuta. "Die humanitäre Lage der Zivilisten in Ost-Ghuta ist völlig außer Kontrolle", erklärte er. "Es ist zwingend erforderlich, dieses sinnlose menschliche Leiden zu beenden."

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Hunderte Verletzte brauchen medizinische Hilfe, Krankenhäuser sind überfüllt.

(Foto: dpa)

Am Dienstag gingen die Luftangriffe jedoch unvermindert weiter. Zahlreiche traumatisierte Familien suchten in Untergeschossen und Kellern Zuflucht. Hunderte Verletzte suchten behelfsmäßige Krankenhäuser auf, die völlig überfüllt waren.

Ost-Ghuta, die letzte Rebellenhochburg in der Nähe von Damaskus, wird überwiegend von verschiedenen Islamistengruppen kontrolliert. Die syrische Regierung will die Kontrolle über das Gebiet zurückerlangen, von dem aus immer wieder Raketen und Mörsergranaten auf die Hauptstadt gefeuert werden. Berichten der Staatsmedien zufolge wurden am Dienstag vier Zivilisten durch Angriffe der Rebellen auf Damaskus getötet.

Waffenruhe besteht nur noch auf Papier

Die im Exil ansässige syrische Opposition warf den Regierungstruppen einen "Vernichtungskrieg" auf Ost-Ghuta vor und kritisierte das "internationale Schweigen" angesichts der "Verbrechen" der Führung von Machthaber Baschar al-Assad. Dem Assad-Verbündeten Russland warf die Oppositionskoalition vor, den "politischen Prozess begraben" zu wollen.

Schon Anfang Februar hatte die syrische Armee den Druck auf Ost-Ghuta verstärkt, wo rund 400.000 Menschen seit dem Jahr 2013 unter Belagerung leben und sich die humanitäre Lage zunehmend verschlechtert. Eigentlich gilt in Ost-Ghuta eine regionale Waffenruhe, die jedoch nur noch auf dem Papier besteht.

Türkei beschießt Afrin

Auch an einer anderen Front eskaliert die Lage. Syrische Regierungstruppen sind nach Angaben von Aktivisten in die Kurden-Region Afrin in Nordsyrien eingerückt. Ein Konvoi mit hunderten regierungstreuen Kämpfern habe am Nachmittag die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierte Region erreicht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Syrische Staatsmedien hatten am Montag berichtet, dass die regierungstreuen Einheiten sich dem Kampf gegen die türkische Armee anschließen wollten, die eine Offensive gegen die Kurden in Afrin gestartet hatte.

Nach der Entsendung syrischer Regierungskräfte hat die Türkei das Gebiet nach syrischen Regierungsangaben bombardiert. Das meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana.

Quelle: ntv.de, uzh/AFP/dpa

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