Politik

Nach Offensive auf Mossul im Irak EU-Kommissar warnt vor IS-Rückkehrern

Sollte es gelingen, das irakische Mossul vom Islamischen Staat zurückzuerobern, droht Europa nach Ansicht von EU-Kommissar Julian King ein neues Sicherheitsrisiko. Denn IS-Kämpfer könnten nach Europa zurückkehren - und Rache nehmen wollen.

Angesichts der Großoffensive zur Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) warnt EU-Sicherheitskommissar Julian King vor möglichen negativen Folgen für die Sicherheit in Europa. "Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen", sagte King der "Welt". Das sei eine sehr ernste Bedrohung.

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Ein IS-Kämpfer schwingt in Mossul die Fahne des Kalifats.

(Foto: REUTERS)

Allerdings gehe er nicht von einem "Massenexodus von IS-Kämpfern nach Europa" aus, schränkte King ein. Wichtig sei jetzt, durch geeignete Maßnahmen Terroristen immer weniger Handlungsmöglichkeiten zu geben und "insgesamt unsere Widerstandsfähigkeit gegen die terroristische Bedrohung zu erhöhen."

Ein Militärbündnis unter Führung der irakischen Armee hatte am Montag eine Offensive auf die nordirakische Stadt gestartet, um die geschätzten 4000 IS-Kämpfer aus der Stadt zu vertreiben. Allein in den ersten 24 Stunden haben die irakische Regierung und die kurdische Peschmerga-Miliz nach eigenen Angaben 20 Dörfer erobert. Die Soldaten rückten von Süden und Südosten auf Mossul vor, die Peschmerga-Kämpfer vom Osten aus.

Luftangriffe auf IS-Posten

Unterstützt wurden sie von der US-geführten internationalen Anti-IS-Koalition. Nach Angaben der Peschmerga griffen Kampfflugzeuge der Koalition an ihrem Frontabschnitt 17 IS-Stellungen an. Im Norden und Nordosten Mossuls hätten kurdische Kämpfer zudem einen beachtlichen Teil der 80 Kilometer langen Straße von Mossul nach Erbil unter ihre Kontrolle gebracht. Außerdem wurden in dem stark verminten Gelände um Mossul mindestens vier Autobomben zerstört. Informationen über Opfer gab es weder in der irakischen noch in der kurdischen Mitteilung.

Die Konfliktparteien wurden unterdessen aufgerufen, die in der Stadt lebenden Zivilisten möglichst zu schonen. Das forderte das Komitee vom Internationalen Roten Kreuz (IKRK) und Roten Halbmond in Genf. "Es ist besonders wichtig, die Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu schützen", teilte das IKRK mit. Das Rote Kreuz stehe bereit, den bis zu einer Million Flüchtlingen in den nächsten Tagen und Wochen beizustehen. Das IKRK forderte die Einrichtung eines sicheren Korridors für Flüchtende.

Amnesty warnt vor Gräueln

Amnesty International wiederum warnte vor schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge aus Mossul. Tausende Zivilisten, die bereits aus Gebieten unter IS-Kontrolle fliehen konnten, seien Opfer von Folter, willkürlicher Inhaftierung, Verschwinden lassen und außergerichtlichen Hinrichtungen geworden, hieß es in einem Bericht der Organisation, der auf Gesprächen unter anderem mit ehemaligen Gefangenen und Augenzeugen basiert.

"Nachdem sie den Schrecken des Krieges und der Tyrannei des IS entkommen sind, drohen sunnitischen Arabern im Irak brutale Vergeltungsschläge durch (vornehmlich schiitische) Milizen und Regierungstruppen. Sie werden für die Verbrechen des IS bestraft", sagte Philip Luther, Experte für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/rts