Politik
Wird das Baukindergeld Familien helfen - oder doch eher Bauunternehmen und Maklern?
Wird das Baukindergeld Familien helfen - oder doch eher Bauunternehmen und Maklern?(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)
Dienstag, 06. Februar 2018

Experte über das Baukindergeld: "Ein Instrument für die Mittelklasse"

Von Hubertus Volmer

In den Städten, wo Wohnungen knapp sind, wird das von der Großen Koalition geplante Baukindergeld voraussichtlich nicht zu mehr Wohneigentum führen. Aus Sicht von Verbraucherschützern wären andere Maßnahmen sinnvoller.

Union und SPD haben sich bei ihren Koalitionsverhandlungen auf ein Baukindergeld geeinigt, das CDU und CSU schon in ihrem Wahlprogramm gefordert hatten. Dabei geht es um 1200 Euro pro Kind und Jahr über einen Zeitraum von zehn Jahren. Mit dem "Familienbaugeld" hatte die SPD eine ähnliche Forderung in ihrem Wahlprogramm.

Experten sehen diese Maßnahme kritisch. "Ich glaube nicht, dass das Baukindergeld ausreicht, um die Probleme am Wohnungsmarkt zu lösen", sagt Franz Michel, Experte für Bauen und Wohnen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Die Zulage soll bekommen, wer ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von bis zu 75.000 Euro plus 15.000 Euro Freibetrag pro Kind hat. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung rechnet das Bundesfinanzministerium mit Anträgen für mehr als 300.000 Kinder.

"Das ist ein Instrument für die gute Mittelklasse, für Familien, die ohnehin vorhaben, ein Eigenheim zu erwerben", sagt Michel n-tv.de. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Baukindergeld Familien dazu bringen wird, ein Haus zu kaufen oder zu bauen." Eine Maßnahme, die zu mehr sozialer Gerechtigkeit führe oder in Gebieten mit besonderer Wohnungsnot für Abhilfe sorgen werde, sei das Baukindergeld nicht, so der Experte. Dafür gebe es effektivere Mittel.

Wer bestellt, der zahlt

Nach Ansicht der Verbraucherzentralen wäre es sinnvoller, für eine Senkung der in Deutschland sehr hohen Kaufnebenkosten zu sorgen. Derzeit liegen die Nebenkosten beim Hauserwerb bei bis zu 15 Prozent, vom Baukredit werden sie in der Regel nicht abgedeckt. "Das macht es für viele Verbraucher schwierig, sich Wohneigentum zuzulegen", so Michel. Größte Posten bei den Nebenkosten sind die Maklerprovision und die Grunderwerbsteuer. "Wir als Verbraucherzentrale fordern daher, die Grunderwerbsteuer für energetisch optimierte Gebäude zu senken und die Courtage ähnlich wie im Mietbereich nach dem Bestellerprinzip aufzuteilen: Wer bestellt, der zahlt. Außerdem sollte eine Höchstgrenze für die Maklerprovisionen eingeführt werden."

In gewisser Weise ist das Baukindergeld eine Rückkehr Eigenheimzulage. Kritiker dieser Subvention hatten seinerzeit moniert, damit werde stärker der Bauwirtschaft geholfen als Familien unterstützt. Abgeschafft wurde die Eigenheimzulage 2005 auch deshalb, weil sie die Zersiedelung der Landschaft förderte. Das könnte jetzt auch passieren: "Da, wo Wohnraum benötigt wird, in urbanen Gebieten, wird das Baukindergeld sicher nicht zu mehr Wohneigentum führen. Das Baukindergeld wird eher auf dem Land Anwendung finden - ähnlich wie damals die Eigenheimzulage", sagt Michel.

Ob die Einführung des Baukindergeldes eine Immobilienblase verursachen könnte, sei derzeit kaum abzuschätzen: "Die Wohnungspreise sind jetzt schon zu hoch, aber bisher kann man nicht von einer Blase sprechen." Wichtig sei, dass jeder, der kaufen oder bauen wolle, sich ausführlich informiere - unabhängig vom Baukindergeld. "Der Kauf oder Bau eines Hauses ist eine wichtige Entscheidung, die man gut abwägen sollte." Allerdings seien die Möglichkeiten zur Finanzierung eines Eigenheims wegen der niedrigen Zinsen nie besser gewesen als im Moment. "Bei der KfW gibt es Kredite mit Tilgungszuschuss - das heißt, Sie müssen weniger zurückzahlen, als Sie als Kreditsumme aufgenommen haben".

Während Michel das Baukindergeld kritisch sieht, räumt er ein, dass Union und SPD im Bereich Bauen und Wohnen "einige wichtige Punkte aufgegriffen" hätten. Dies gelte insbesondere für die Nachschärfung bei der Mietpreisbremse und die Reduzierung der Modernisierungsumlage, aber auch für die neuen Abschreibungsmöglichkeiten für Investoren. "Es gab Maßnahmen für Mieter, es gab Zugeständnisse an die Immobilienwirtschaft. Das Baukindergeld ist offensichtlich für die Zielgruppe der selbstnutzenden Eigentümer gedacht."

Auf baufoerderer.de informiert die Verbraucherzentrale unabhängig zu allen Fragen zum Thema Baufinanzierung.

Quelle: n-tv.de