Politik

Waffen in zweitem Auto Ein Terrorkommando womöglich flüchtig

Nach der Pariser Terrorserie arbeiten die französischen Behörden auf Hochtouren. Nach Einschätzung der Ermittler ist einer der drei Terrorgruppen wohl die Flucht gelungen. Östlich von Paris wird ein zweites Täterauto gefunden. Im Verwandtenkreis eines Attentäters gibt es sechs Festnahmen.

Mindestens einem Terrorkommando scheint nach den Anschlägen von Paris zunächst die Flucht gelungen zu sein. Französische Ermittler stellten ein weiteres Auto östlich von Paris sicher, wie aus Polizeikreisen verlautete. Er wurde demnach im Vorort Montreuil entdeckt. Der schwarze Seat soll nach Einschätzung der Ermittler von den Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafés und Restaurants wahllos Menschen erschossen. In dem Fahrzeug wurden Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre gefunden.

Unklar blieb, ob der oder die Täter weiter auf der Flucht sind oder bereits am Samstag in Belgien gefasst wurden. Sechs Angehörige eines der Selbstmordattentäter aus dem Pariser Konzertsaal Bataclan haben Ermittler in Polizeigewahrsam genommen. Das berichtet der französische Fernsehsender BFMTV. Die Befragung von Angehörigen gehört in solchen Fällen zu den Ermittlungen. Bei den Terroranschlägen in Paris waren am Freitagabend 129 Menschen ermordet worden.

Bereits am Samstag war bekanntgeworden, dass Vater und Bruder eines Selbstmordattentäters in Polizeigewahrsam kamen. Die Wohnungen der beiden Männer wurden durchsucht. Der Bruder des 29-jährigen Attentäters lebt demnach in einem Ort südlich von Paris, der Vater gut 100 Kilometer weiter östlich. Der bei dem Anschlag getötete Franzose Ismael Omar Mostefai war anhand eines Fingerabdrucks identifiziert worden. Er war den Behörden nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen seiner Radikalisierung bekannt und mehrfach vorbestraft, allerdings nie im Zusammenhang mit Terror-Netzwerken.

Kam Paris-Attentäter über die Balkanroute?

Einer der Attentäter von Paris ist möglicherweise als Flüchtling getarnt über die Balkanroute nach Frankreich gereist. Ein 25-Jähriger namens Ahmed Almuhamed sei mit einem syrischen Pass am 7. Oktober aus Mazedonien nach Serbien eingereist, berichtete die serbische Zeitung "Blic" am Sonntag.

Er sei im Erstaufnahmezentrum in der südlichen Stadt Presevo registriert worden und habe dann seinen Weg nach Kroatien und später nach Österreich fortgesetzt. Die französischen Behörden haben sich laut "Blic" an Belgrad gewandt, um nähere Informationen über den Mann zu bekommen. Der Mann sei bei seinem Transit durch Serbien nicht bewaffnet gewesen.

Das Ministerium für Bürgerschutz in Athen berichtete, dass einer der mutmaßlichen Terroristen Anfang Oktober aus der Türkei nach Griechenland gekommen sein könnte. "Der Inhaber des Passes, der an einem Tatort (in Paris) gefunden worden ist, war am 3. Oktober nach den Regelungen der EU auf der Insel Leros (als Flüchtling) registriert worden", teilte das Ministerium mit. Polizeikreisen zufolge sei der junge Mann dort mit einer Gruppe von 69 Flüchtlingen registriert worden. Dabei seien auch seine Fingerabdrücke abgenommen worden. Durch welche Länder der Mann dann weitergereist ist, ist bisher unklar.

Wie der staatliche griechische Rundfunk unter Berufung auf Kreise der Polizei weiter berichtete, könnte auch ein zweiter Mann, der an den Terroranschlägen beteiligt gewesen sein soll, aus der Türkei nach Griechenland in die EU eingereist sein.

Allerdings müssen die Passdokumente und Fingerabdrücke noch mit den sterblichen Überresten der mutmaßlichen Attentäter abgeglichen werden. Schließlich könnten die bei den Leichen gefundenen Pässe auch gestohlen oder gekauft worden sein. Neben dem syrischen Pass war auch ein ägyptischer Ausweis bei einem Attentäter gefunden worden.

Schwarzer Polo und schwarzer Seat

Die Angreifer seien bei den Anschlägen offenbar in "drei Teams" vorgegangen, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Das Bataclan wurde von drei mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren und Sprengstoffgürteln bewaffneten Männern attackiert, die in einem "schwarzen Polo" mit belgischem Kennzeichen vorgefahren seien. Davor war die Rede von vier Angreifern im Bataclan gewesen. Als zweites Tatfahrzeug wurde ein schwarzer Seat identifiziert.

Im Zusammenhang mit dem belgischen Polo ist Anti-Terror-Ermittlern im Brüsseler Stadtteil Molenbeek offenbar ein Fahndungserfolg geglückt. Bei Razzien in mehreren Wohnungen haben sie unter anderem eine Person festgenommen, die am Freitagabend mit einem Mietauto in der französischen Hauptstadt war. Das bestätigte Belgiens Regierungschef Charles Michel.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Brüssel haben die Pariser Behörden in vier konkreten Fällen um Amtshilfe gebeten. Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek durchsuchten schwer bewaffnete Polizisten mehrere Wohnungen, wie ein Sprecher von Justizminister Koen Geens sagte. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Molenbeek war nach Anschlägen schon häufiger Schauplatz von Polizei-Razzien, etwa nach einem Anschlag auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug im August. Der Stadtteil gilt als Hochburg von Islamisten.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa/rts/AFP

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