Kann Geld das Blatt noch wenden?Eine Milliarde Dollar könnte für Trumps Republikaner bei Midterms nicht reichen

Sogenannte Super-PACS können in den USA theoretisch unbegrenzt Spenden einsammeln und für Wahlwerbung ausgeben. Die Republikaner kämpfen mit extrem viel Geld gegen die schlechten Umfragewerte von Präsident Trump an - doch möglicherweise zu spät.
Die US-amerikanischen Republikaner sind offenbar zunehmend besorgt darüber, dass die ihnen zur Verfügung stehende Summe von rund einer Milliarde US-Dollar für Wahlkampffinanzierung nicht ausreichen könnte, um verheerende Verluste bei den Zwischenwahlen Anfang November abzuwenden. Die Partei kämpft dabei mit den schlechten Beliebtheitswerten von US-Präsident Trump, die vor allem auf steigende Kosten infolge des Iran-Kriegs zurückzuführen sind.
Der Finanzvorteil gegenüber den Demokraten verteilt sich laut der Nachrichtenagentur AP auf ein halbes Dutzend Gruppen und ist vor allem auf die Trump-nahe "MAGA Inc." zurückzuführen, die Ende August über fast 416 Millionen Dollar an Finanzmitteln für den Wahlkampf verfügte und im September begonnen haben soll, ihre Ausgaben für entscheidende Wahlkämpfe für den Kongress zu erhöhen.
Wie AP berichtet, könnte dieses Geld jedoch zu spät gekommen sein. Dies zwinge die Gruppe des Präsidenten dazu, aufgrund der schwindenden Verfügbarkeit von TV- und Streaming-Sendezeit deutlich höhere Preise zu zahlen. Vier Wahlkampfverantwortliche der Republikaner sagten der Agentur, dass vor dem Herbst gebuchte Sendezeit deutlich billiger war. Indem sie bis September gewartet hätten, würden die mit Trump in Verbindung stehenden Organisationen teilweise mehr als fünfmal so viel ausgeben, als wenn sie früher aktiv geworden wären.
Ein Vertreter von "MAGA Inc." argumentierte, die Ausgaben der Organisation hätten es den Republikanern ermöglicht, die Wahlkämpfe offener zu gestalten, als dies sonst der Fall gewesen wäre. In einigen Fällen war die Gruppe dem Bericht zufolge die einzige, die in den Medien kritische Spots über demokratische Kandidaten laufen ließ.
Senatswahlkampf in Texas bleibt spannend
Ausgerechnet in Bundesstaaten wie Texas - für Republikaner traditionell ein Heimspiel - sei die Herausforderung groß, heißt es. Trump werde heute zum zweiten Mal binnen einer Woche nach Texas reisen, um für die Senatskampagne des Republikaners Ken Paxton zu werben. Der Bundesstaat hat seit 1988 keinen demokratischen Senator mehr gewählt, dennoch hat "MAGA Inc." laut dem Werbe-Tracking-Unternehmen AdImpact im vergangenen Monat mehr als 22 Millionen Dollar ausgegeben.
Eine weitere Gruppe, "Texas PAC", die mit Senatsmehrheitsführer John Thune verbunden ist, habe im vergangenen Monat mehr als 83 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben - eine außergewöhnlich hohe Summe, um einen Sitz zu sichern, der normalerweise als sicher für die Republikaner gilt, wie AP schreibt.
Demnach zahlen Kongress-Kandidaten einen niedrigeren Preis für Wahlwerbung als externe Gruppen, sodass der späte Zufluss von Super-PAC-Geldern mit hohen Kosten verbunden gewesen sei. Ein Super-PAC (Political action committee) ist eine Organisation, die unbegrenzt Spenden eintreiben und damit Wahlwerbung für eine Partei machen kann. Super-PACs spielen deshalb im US-Wahlkampf eine äußerst wichtige Rolle.
Eine Seite zahlt Hunderttausende Dollar mehr
"MAGA Inc.", das Anzeigen vorwiegend auf Streaming-Diensten schaltet, musste laut AdImpact rund 894 Dollar pro Ausstrahlung zahlen, während "Texas PAC" für eine Mischung aus Rundfunk und Streaming rund 809 Dollar in Rechnung gestellt wurden. Im Vergleich dazu lagen die Kosten von Paxtons demokratischem Gegner James Talarico, der ebenfalls im Fernsehen und auf Streaming-Plattformen geschaltet wurde, bei etwa 290 Dollar.
Hinter diesen Durchschnittswerten verbergen sich laut AP eklatante Ungleichheiten. So seien "Texas PAC" beispielsweise während eines Footballspiels im vergangenen Monat 450.000 Dollar für die Ausstrahlung eines einzigen Spots im Markt von Austin in Rechnung gestellt worden. Talaricos Wahlkampf zahlte laut AdImpact 50.000 Dollar für einen Spot während desselben Spiels im selben Markt.
AP schreibt, dass sich dieser Wahlkampf zu einer Volksabstimmung über den Einfluss des Geldes in der amerikanischen Politik entwickelt. Demnach geben die Demokraten offen zu, dass sie weniger Geld ausgeben können, und setzen stattdessen auf die Anti-Trump-Stimmung unter den Wählern sowie auf gezielte Botschaften zu Themen wie Korruption. Die Zwischenwahlen seien die ersten landesweiten Wahlen, seitdem der Oberste Gerichtshof im Juni die Obergrenzen für die Ausgaben von politischen Parteien in Abstimmung mit Kongress- und Präsidentschaftskandidaten aufgehoben habe, wodurch noch mehr Geld in ein politisches System fließe, das ohnehin in Geld schwimme.

