Politik

"Kadavergehorsam" beim KSK Elitesoldat schickt Hilferuf-Brief an AKK

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Der Soldat bitte die Ministerin, persönlich das Thema an sich zu ziehen, heißt es weiter.

(Foto: imago images / Björn Trotzki)

Die Meldungen über Rechtsextremismus im Kommando Spezialkräfte häufen sich. Einem Bericht zufolge soll ein KSK-Offizier nun in einem zwölfseitigen Brief an die Verteidigungsministerin Alarm geschlagen haben: Demnach seien die Missstände "tiefgreifender und struktureller".

In der Affäre um rechtsextreme Tendenzen beim Kommando Spezialkräfte (KSK) hat laut einem Bericht des "Spiegel" der Brief eines Hauptmanns der Bundeswehr-Eliteeinheit ohnehin bestehende Sorgen verstärkt. Dem Magazin zufolge wandte sich der Offizier Anfang Juni mit einem teils dramatischen Hilferuf direkt an CDU-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

In dem zwölfseitigen Brief, der dem "Spiegel" vorliege, beklagt der Hauptmann demnach, dass innerhalb der Einheit rechtsextreme Tendenzen geduldet und vertuscht würden. Hinweise auf rechtsextreme Kameraden innerhalb des rund tausend Mann starken Eliteverbands würden "intern zwar wahrgenommen, aber aus unterschiedlicher Motivlage kollektiv ignoriert oder gar toleriert".

Der Soldat bitte die Ministerin, persönlich das Thema an sich zu ziehen, heißt es weiter. Den Missständen sei nur "durch eine vollständige externe Untersuchung und anschließende Reformierung Herr zu werden". Es habe sich ein nicht auszutrocknender Sumpf innerhalb des KSK entwickelt, dieser sei "tiefgreifender und struktureller als derzeit im Ministerium bekannt sein dürfte". Die Führung des KSK sei mit der Aufklärung "offenbar überfordert".

Das Verteidigungsministerium bestätigte der dpa auf Anfrage den Eingang eines Briefes, ohne in Details zu gehen. Kramp-Karrenbauer fahre eine Null-Toleranz-Linie gegenüber jedem Fall von Extremismus. Die Ministerin hatte nach mehreren Fällen im KSK eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis zum Sommer Ergebnisse vorlegen soll. Kramp-Karrenbauer erklärte: "Endlich konnte die Mauer des Schweigens durchbrochen werden. Darauf haben wir mit harter Linie lange hingearbeitet." Der betreffende Brief sei bereits in der ersten Sitzung der von ihr einberufenen AG KSK besprochen worden. "Jetzt geht es darum, die notwendigen Konsequenzen daraus zu erarbeiten." Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, die AG KSK habe von der Ministerin bereits den Auftrag bekommen, insbesondere auch Werdegänge und Auswahl von Ausbildern im KSK zu beleuchten.

"Kultur des Hinnehmens rechtswidrigen Verhaltens"

Der Offizier gehört demnach seit 2018 dem KSK an. Als Beispiel nennt er einen Ausbilder, der als Identifizierungscode "Y-88" benutze. Die Zahl gilt als Chiffre für den Hitlergruß. Erst 2019 sei der Ausbilder wegen seiner Nähe zur rechtsextremen Identitären Bewegung aus dem KSK entlassen worden.

Weiter schildert der Hauptmann laut "Spiegel", dass Meldungen über rechtsextreme Soldaten im KSK schon in der Ausbildung konsequent unterbunden würden. Zudem würden Disziplinarstrafen dafür genutzt, "um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen". Die Folgen seien "eine Art Kadavergehorsam" und eine "Kultur des Hinnehmens rechtswidrigen Verhaltens".

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Kramp-Karrenbauer habe mehrere Abteilungen beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen, berichtete das Magazin weiter. Zudem sollten die Vorwürfe des Soldaten in die Arbeit einer Taskforce einfließen, die bis Ende Juni ein Konzept zur Modernisierung des KSK vorlegen soll.

Rechtsextreme Vorfälle hatten wiederholt zu Vorwürfen gegen das KSK oder dort eingesetzte Soldaten geführt. Vor einigen Wochen war ein KSK-Soldat festgenommen worden, der ein Waffenlager angelegt und rechtsextreme Symbole gezeigt haben soll. Auch gab es Berichte über ein mögliches rechtsextremes Netzwerk in der Elitetruppe.

Quelle: ntv.de, lri/tsi/AFP/dpa