Ahnungslose Reporter in Gefahr?Empörung über Trumps heimlichen Flugzeugwechsel

Wegen einer offenbar konkreten Bedrohung durch den Iran sieht sich US-Präsident Trump veranlasst, heimlich aus der Air Force One in einen anderen Flieger umzusteigen. Die mitgereisten Journalisten wissen davon nichts und bleiben an Bord des Präsidentenfliegers. Ein Vertrauensbruch?
Das Täuschungsmanöver mit einem unmarkierten Flugzeug von US-Präsident Donald Trump zur Umgehung einer möglichen iranischen Bedrohung hat bei Medienvertretern in den USA Empörung ausgelöst. Grund dafür ist, dass die mit dem Präsidenten reisenden Journalisten offenbar nicht darüber informiert wurden, dass Trump während eines Stopps in der Türkei heimlich aus dem offiziellen Präsidentenflieger Air Force One geholt und in ein kleineres, unmarkiertes Flugzeug gebracht wurde. Die mitgereisten Medienvertreter blieben in der großen Maschine - die der offenbar als konkret eingestuften Bedrohung durch den Iran ausgesetzt war.
Die "Washington Post", die zuerst über Trumps heimlichen Maschinenwechsel berichtete - für den er sich in den Container eines Catering-Fahrzeugs begeben haben soll - zeigt nun mit einem historischen Vergleich, warum Trumps Manöver seinesgleichen sucht. Dem Bericht zufolge nutzte der damalige US-Präsident Bill Clinton im März 2000 bei einem Flug nach Pakistan ein ähnliches Täuschungsmanöver. Ein Jet sei damals mit allen Kennzeichen der Air Force One vor den Augen der Medien gelandet und ein Secret-Service-Agent, der dem Präsidenten ähnelte, ausgestiegen. Dann landete ein unmarkiertes Flugzeug und der echte Präsident stieg aus.
Wie die Zeitung berichtet, hatte das Weiße Haus vorher mit Susan Page gesprochen, die damals Präsidentin der White House Correspondents’ Association (Journalisten-Vereinigung der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten) war. Die Journalistin bricht nun mehr als 25 Jahre später ihr Schweigen: Man habe sie vorab über die außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen und Risiken informiert: "Sie erzählten mir von den außergewöhnlichen Sicherheitsverfahren, die wegen der Gefahren beim Flug dorthin ergriffen wurden, einschließlich des Einsatzes des Täuschungsflugzeugs", sagte sie der Zeitung. "Natürlich bedrohten die Gefahren die Journalisten, die die Reise begleiteten, ebenso wie Präsident Clinton."
Anders als bei Trumps Aktion wusste also mindestens eine Journalistin, die möglicherweise ihre Kollegen informierte, von der Täuschung. Diesmal wurden die Journalisten an Bord lediglich angewiesen, die Fensterblenden geschlossen zu halten und gingen fälschlicherweise davon aus, der Präsident sei mit ihnen an Bord.
Der Journalist und Historiker Garrett Graff sieht in dem Vorfall deshalb einen Präzedenzfall. "Dass das Weiße Haus das gesamte Pressekorps darüber belügt, wo sich der Präsident aufhält …", sagte er. "Das ist ein neuer Rubikon, der hier überschritten wird."
Laut Graff handelt es sich dabei nicht nur um eine Einschränkung des journalistischen Zugangs - das System im Weißen Haus ist so ausgelegt, dass stets ein Vertreter der Presse anwesend ist, um die Bewegungen und Aktivitäten des Präsidenten zu beobachten und der Öffentlichkeit unabhängig Bericht zu erstatten, wie die "Washington Post" schreibt.
Da die Einzelheiten der Bedrohung nicht bekannt sind, lasse sich das genaue Risiko für die Pressevertreter zwar nicht einschätzen. Angesichts der Tatsache, dass es sich um Maßnahmen handelte, "die das Weiße Haus und das Militär gerade wegen einer Bedrohung ergriffen haben, über die sie zutiefst besorgt waren", sei es aber "umso ungeheuerlicher, dass die Presse nicht auf dem Laufenden gehalten wurde", so Graff.
Die ehemalige CNN-Korrespondentin im Pentagon, Barbara Starr, sagte der Zeitung, die Presse habe volles Verständnis für die Sicherheitsanforderungen bei der Berichterstattung über den Präsidenten und respektiere diese. Sie fügte jedoch hinzu: "Es wird nun ein Maß an Misstrauen geben, das wir bisher noch nicht erlebt haben … Ihr eigenes Leben war möglicherweise in Gefahr, ohne dass sie es überhaupt wussten, ohne dass sie die Möglichkeit hatten, eine andere Entscheidung darüber zu treffen, wie sie nach Hause kommen."