Enttäuschung über Nato Trump bringt nach Rutte-Treffen wieder Grönland ins Spiel

Der US-Präsident hadert mit der Nato wegen mangelnder Unterstützung im Iran-Krieg. Generalsekretär Rutte reist nach Washington, um ihn zu besänftigen. Fraglich ist, ob ihm das gelungen ist. Auf Truth Social spricht Trump jetzt wieder von Grönland.
US-Präsident Donald Trump hat den Nato-Partnern erneut mangelnde Unterstützung für den Krieg gegen den Iran vorgeworfen und dabei auch wieder den Streit um Grönland thematisiert. "Die Nato war nicht da, als wir sie brauchten, und sie wird auch nicht da sein, wenn wir sie wieder brauchen", schrieb er in Großbuchstaben auf seiner Plattform Truth Social. Zuvor hatte er im Weißen Haus mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte gesprochen. Die Verbündeten sollten sich an Grönland erinnern, das er als "großes, schlecht verwaltetes Stück Eis" bezeichnete. Die Arktisinsel, die sich Trump noch Anfang des Jahres für die USA einverleiben wollte, gehört zum Gebiet des Nato-Partners Dänemark.
Trump hatte die Nato-Verbündeten unter anderem aufgefordert, die USA bei der Sicherung der Straße von Hormus zu unterstützen. Diese hielten sich allerdings angesichts der laufenden Kampfhandlungen mit Zusagen zurück. Spanien schloss zudem seinen Luftraum für kriegsbeteiligte US-Flugzeuge, Frankreich gab keine Erlaubnis für Überflüge mit Militärausrüstung und Italien verweigerte die Landung auf einem Stützpunkt auf Sizilien.
Trump hat sich wiederholt ungehalten über die seiner Ansicht nach mangelnde Unterstützung der Nato-Partner geäußert. US-Außenminister Marco Rubio kündigte an, man werde das Verhältnis der USA zur Nato neu bewerten müssen. Ein Austritt der USA aus der Nato ist angesichts der nötigen Zweidrittelmehrheit im US-Kongress sehr unwahrscheinlich.
Rutte: Trump "eindeutig enttäuscht"
Das Treffen mit Rutte fand hinter verschlossenen Türen im Weißen Haus statt, es gab keine gemeinsame Pressekonferenz. Im US-Sender CNN sprach Rutte im Anschluss von einer "sehr offenen Diskussion zwischen zwei Freunden". Es sei klar, dass Trump "eindeutig enttäuscht" sei über das transatlantische Bündnis und mehrere Partnerstaaten.
Auf die Frage, ob einige Nato-Länder tatsächlich versagt hätten, antwortete Rutte: "Einige schon, ja, aber eine große Mehrheit der europäischen Länder, und darüber haben wir heute gesprochen, hat das getan, was sie versprochen hatte." Fragen dazu, ob Trump einen US-Austritt aus der Nato angekündigt habe, wich Rutte wiederholt aus.
Vor wenigen Monaten hatte der US-Präsident das Fundament der Nato bereits ins Wanken gebracht, indem er damit drohte, dem Bündnispartner Dänemark Grönland wegzunehmen - bevor er abrupt zurückruderte. Rutte, der als Vermittler zwischen Trump und dem Rest der Allianz gilt, hatte damals dazu beigetragen, den Streit um die US-Besitzansprüche auf das dänische Autonomiegebiet zu entschärfen. Die Annexionsbestrebungen hatten unter den europäischen Nato-Partnern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Trump beharrte jedoch auf Verhandlungen zu dem Thema. Zudem startete die Nato einen neuen Einsatz, der die militärische Präsenz in der Arktis verstärken soll.
Dänemark und auch die Regierung des weitgehend autonomen Grönlands lehnen eine Übernahme durch die USA strikt ab. Unter anderem die Regierung in Kopenhagen hatte zudem gewarnt, dass eine US-Annexion Grönlands das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses bedeuten würde.
Trump hatte sein Vorgehen mit der Behauptung begründet, dass Grönland sonst nicht vor Russland und China sicher sei. Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.