Politik

Erst Syrien, jetzt Nordirak Erdogan kündigt neue Militäroffensive an

ec15340ccf6580d704a0aee734013418.jpg

Fürchtet den Einfluss der Kurden: Recep Tayyip Erdogan, hier bei seiner Ansprache in Trabzon.

(Foto: dpa)

Die Türkei weitet den Kampf gegen die Kurden aus - und schreckt dabei auch vor Angriffen im Norden des Irak nicht zurück: "Wir haben gesagt, dass wir nach Sindschar gehen", erklärt Präsident Erdogan. "Nun ist die Operation dort gestartet."

Erst der Einmarsch im Nordwesten Syriens, jetzt Angriffe im Norden des Irak: Die Türkei hat nach Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einer Offensive in der nordirakischen Region Sindschar begonnen. "Wir haben gesagt, dass wir nach Sindschar gehen. Nun ist die Operation dort gestartet. Der Kampf ist intern und extern", erklärte Erdogan bei einem Auftritt in der Schwarzmeerstadt Trabzon. Details nannte er nicht.

Die irakischen Sicherheitskräfte erklärten dagegen, ihren Erkenntnissen zufolge seien bislang keine ausländischen Truppen in den Irak eingedrungen. Nach Luftangriffen türkischer Kampfjets auf PKK-Stellungen im Nordirak hatte sich die kurdische Miliz bereits aus der Region zurückgezogen. Die kurdische Dachorganisation KCK hatte vor dem Wochenende erklärt, die PKK räume Sindschar. Dort hatte sie 2014 Fuß gefasst, nachdem sie der Minderheit der Jesiden gegen die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) zu Hilfe gekommen war.

Die Türkei hatte in dieser Woche PKK-Stellungen im Nordirak angegriffen und nach Armeeangaben mindestens zwölf kurdische Kämpfer getötet. Im benachbarten Syrien ist die türkische Armee seit Januar im Einsatz gegen Einheiten der YPG-Miliz, die sie als Ableger der PKK betrachtet.

Die türkische Regierung will nach eigenen Angaben verhindern, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet und hat angedroht, nach der Eroberung des nordsyrischen Afrin ihren Kampf gegen Kurden auf den Irak auszuweiten.

Erdogan wies bei seiner Rede in Trabzon darauf hin, dass die türkische Armee nach Afrin auch die kurdisch kontrollierte Stadt Tel Rifat im Nordwesten Syriens einnehmen solle. Die PKK wird sowohl von der Türkei als auch von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit den 1980er-Jahren für mehr Autonomie im Südosten der Türkei. Schätzungen zufolge wurden in dem Konflikt bereits mehr als 40.000 Menschen getötet.

Kurz vor dem EU-Türkei-Gipfel

Das militärische Vorgehen der Türkei in den Nachbarländern Syrien und Irak dürfte den anstehenden EU-Türkei-Gipfel überschatten: Der türkische Präsident wird zu Wochenbeginn im bulgarischen Küstenort Warna unter anderem mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk zusammentreffen. Die Regierung in Ankara pocht auf die Visafreiheit, die im EU-Flüchtlingspakt 2016 zugesagt worden war.

Die Europäische Union knüpft Reiseerleichterungen für Türken an eine Abschwächung der umstrittenen Anti-Terrorgesetze des Landes. Auch fordert die Türkei die schnellere Auszahlung der vereinbarten Hilfen für die Millionen syrischen Flüchtlinge im Land. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der Regierungserklärung zu Beginn ihrer vierten Amtszeit das türkische Vorgehen gegen Kurden in der syrischen Region Afrin scharf verurteilt.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

Mehr zum Thema