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990 Fahndungsbitten Erdogan lässt Kritiker in Deutschland suchen

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt international immer noch über Interpol nach Regime-Gegnern suchen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Türkei lässt Regime-Gegner immer noch per Interpol suchen. Die Betroffenen fliehen unter anderen in die Bundesrepublik. Deswegen richten die türkischen Behörden seit dem Putschversuch 2016 etliche Fahndungsbitten an Deutschland.

Die Türkei lässt Regierungsgegner einem Zeitungsbericht zufolge weiterhin über die internationale Polizeibehörde Interpol suchen - auch in Deutschland. Das Bundeskriminalamt habe seit dem Putschversuch im Juli 2016 von den türkischen Behörden 990 Fahndungsersuche erhalten, davon 925 zur Festnahme und 65 zur Aufenthaltsermittlung, berichtete die "Welt" unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.

Linken-Fraktionsvize Sevim Dagdelen hatte von der Bundesregierung Auskunft über Ermittlungen und Rechtshilfe im Auftrag der Türkei verlangt. Zur Antwort der Regierung sagte sie: "Das Erdogan-Regime versucht über Interpol, Rechtshilfe- und Auslieferungsersuchen, politische Kritiker selbst im Ausland massiv zu verfolgen."

Aus der Antwort der Bundesregierung ergibt sich dem Bericht zufolge auch, dass Ankara im vergangenen Jahr insgesamt 64 Auslieferungsersuche an Deutschland gestellt hatte. 2019 waren es bislang zwölf. Anders als in den Jahren zuvor wurde bislang jedoch niemand ausgeliefert.

Der Bundesregierung seien mit Stand Anfang März zudem insgesamt 38 Fälle von deutschen Staatsangehörigen bekannt, die aufgrund von Ausreisesperren die Türkei nicht verlassen dürfen, berichtete die "Welt" weiter. Außerdem seien 80 Fälle bekannt, bei denen deutschen Staatsangehörigen im vergangenen Jahr die Einreise in die Türkei verweigert wurde.

Als Konsequenz forderte die Außenexpertin Dagdelen, die Türkei nicht länger mit Waffenexporten zu unterstützen. Notwendig sei auch ein Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen, damit Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht länger auf millionenschwere Finanz- und Kredithilfen aus der EU bauen könne.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

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