Politik

"Bist du denn kein Moslem?" Erdogan macht Wahlkampf mit Christchurch

Am 31. März stehen in der Türkei Kommunalwahlen an. Um seinen Kontrahenten zu attackieren, greift Präsident Erdogan nun zu drastischen Mitteln: Er zeigt Ausschnitte aus den Videoaufnahmen des Christchurch-Schützen, der 50 Muslime tötete. Dafür erntet er Kritik aus Neuseeland.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Angriffe auf die Moscheen im neuseeländischen Christchurch als "das jüngste Beispiel des wachsenden Rassismus und der Islam-Phobie" des Westens scharf verurteilt und das Thema wiederholt während Wahlkampfreden für die Kommunalwahlen am 31. März angesprochen. Dabei zeigte er am Wochenende sowie am Morgen verpixelte, kurze Ausschnitte aus den Videoaufnahmen des Schützen Brenton Tarrant.

Erdogan nutzte die Aufnahmen unter anderem für Angriffe auf den Chef der Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu, der in der Vergangenheit islamistischen Terror kritisiert hatte. Nun zeigte er im Kontrast zu seiner Rede über die Angriffe in Neuseeland Bilder von Kilicdaroglus Äußerungen. "Seht euch doch nur an, was der sagt. Er spricht von Terror, der von der islamischen Welt herrührt. Bist du denn kein Moslem?", fragte Erdogan an seinen Kontrahenten gewandt.

Reaktionen folgen prompt

Für die Verwendung des Anschlagvideos kritisierte Neuseeland den türkischen Präsidenten scharf. Eine solche Politisierung des Massakers "gefährdet die Zukunft und die Sicherheit der neuseeländischen Bevölkerung und unserer Bürger im Ausland und ist vollkommen unfair", sagte der stellvertretende Regierungschef und Außenminister Winston Peters. Er teilte mit, am Freitag auf Wunsch der Türkei an einem Sondertreffen der Organisation für Islamische Kooperation in Istanbul teilzunehmen.

Auch CHP-Vize-Fraktionschef Altay sagte, es sei "sehr falsch", Teile des Videos weiter zu zeigen. "So etwas zu einem innenpolitischen Mittel zu machen, schickt sich nicht und schadet sowohl seinem Ansehen als auch dem der Türkei." Mitglieder seiner Partei besuchen derzeit Christchurch nach dem Attentat. Einer der Abgesandten der Partei, der CHP-Vize-Fraktionschef Engin Altay, bestätigte von einer Zwischenstation der Reise aus, dass er und zwei Kollegen am Dienstag in Neuseeland ankommen.

"In Särgen zurückschicken"

Sie wollen dort unter anderem die drei während der Angriffe verletzten türkischen Staatsbürger besuchen und ihre Solidarität mit Neuseeland bekunden. Tarrant hatte bei dem Attentat mindestens 50 Muslime getötet. Am Sonntag hatten schon Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Vize-Präsident Fuat Oktay den Tatort besucht - auch sie bekamen den Unmut der neusseländischen Regierung zu spüren, wie der Vize-Premierminister bekannt gab.

Neuseeland und viele weitere Länder bemühen sich darum, die Verbreitung des Videos von dem Anschlag, das der mutmaßlich rechtsextreme Täter live ins Internet gestellt hatte, zu unterbinden. Erdogan dagegen präsentierte die Tat als Angriff auf den Islam und die Türkei im Besonderen, nachdem der Täter in seinem Manifest wiederholt der Türkei gedroht hatte.

"Dies ist keine isolierte Tat, dies ist organisiert", sagte er am Montag bei einer Feier zum Jahrestag der Schlacht von Canakkale im Ersten Weltkrieg, an der auch Zehntausende Australier und Neuseeländer beteiligt waren. Sollten sie die Türkei noch einmal angreifen, werde die Türkei sie "in Särgen zurückschicken", so wie sie ihre Großväter zurückgeschickt habe, warnte Erdogan.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa/AFP

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