Politik

Nach tödlichem Militärmanöver Erdogan teilt gegen Kurden und USA aus

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Verbittet sich internationale Kritik an türkischen Militäreinsätzen im Nordirak: der türkische Präsident Erdogan.

(Foto: picture alliance / AA)

Nach einem Militäreinsatz im Norden des Irak muss die türkische Regierung einen Rückschlag hinnehmen: Eine Befreiung gefangener Soldaten und Polizisten misslingt, stattdessen trauert die Türkei nun um 13 Tote. Präsident Erdogan beschuldigt die PKK und wettert gegen die USA.

Nach dem Tod von 13 entführten Türken im Nordirak hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sich gegen Kritik an Militäreinsätzen seines Landes verwahrt. Nach dem "Blutbad" könne weder ein Land noch eine Person oder Institution "die Operationen der Türkei im Irak und in Syrien hinterfragen, kritisieren und sich gegen sie stellen", sagte Erdogan bei einer Rede in der Schwarzmeerprovinz Rize. Sein Land werde weiter gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgehen. Die "Terroristen" seien weder im Nordirak noch in Syrien sicher.

Die Türkei hatte am 10. Februar in der nordirakischen Provinz Dohuk einen großangelegten Militäreinsatz gegen die PKK begonnen. Am Sonntag hatte das türkische Militär die Leichen von 13 entführten Türken, darunter Soldaten und Polizisten, im Nordirak gefunden. Ankara wirft der PKK vor, die Gefangenen exekutiert zu haben. Die PKK weist das zurück: Die Menschen seien durch türkische Bombardierungen und Gefechte ums Leben gekommen. Sie selbst habe sie nicht verletzt, geschweige denn hingerichtet.

Wie nun bekannt wurde, hatte der Einsatz in der nordirakischen Region Gara, rund 35 Kilometer von der türkisch-irakischen Grenze entfernt, auch das Ziel, von der PKK entführte Türken zu befreien. Erdogan sagte, die Getöteten hätten sich fünf beziehungsweise sechs Jahre als "Geisel" in den Händen der PKK befunden. Man habe die Entführten retten wollen, sei aber nicht erfolgreich gewesen.

Beileid aus den USA "ein Witz": Botschafter einbestellt

Dass die USA in einer Stellungnahme dies verurteilt hätten, sei "ein Witz", sagte Erdogan vor Anhängern seiner AK Partei. Die Regierung in Ankara bestellte am Nachmittag den US-Botschafter ein. Man habe Botschafter David Satterfield das Missfallen über die US-Erklärung zu dem "PKK-Massaker" auf stärkste Weise zum Ausdruck gebracht, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die USA hatten zuvor erklärt, sie bedauerten die Tötung türkischer Bürger im Kurden-Gebiet im Irak. Sollten sich Berichte über eine Verantwortung der PKK als richtig erweisen, würden die USA dies verurteilen. Erdogan sagte dazu, die Erklärung zeige, dass die USA die PKK und die syrische Kurden-Miliz YPG unterstützten. Die türkische Führung sieht die YPG als Ableger der PKK an.

Die Türkei ist bereits mehrmals militärisch gegen die PKK im Irak und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien vorgegangen. Die jüngste Militäroperation im Irak hatte Ankara auch mit Selbstverteidigung begründet. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte bei einem ähnlichen Einsatz der Türkei im Sommer bezweifelt, dass dieser mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Die PKK gilt in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation. Die YPG dagegen ist ein wichtiger Verbündeter der USA in Syrien im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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