Politik

"Historische" Einigung mit Trump Erdogan will Sicherheitszone in Syrien schaffen

106448307.jpg

Trump und Erdogan beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gerade noch droht der US-Präsident der Türkei mit "wirtschaftlicher Vernichtung". Doch nach einem Telefonat ist das Verhältnis der Staatschefs Erdogan und Trump offenbar wieder gekittet. Der Streit über Nordsyrien wird mit einer angeblich "historischen" Einigung beigelegt.

Die Türkei wird nach den Worten von Staatschefs Recep Tayyip Erdogan die von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene "Sicherheitszone" in Nordsyrien umsetzen. Dies sei bei einem "extrem positiven" Telefonat mit Trump vereinbart worden, sagte Erdogan vor Abgeordneten seiner Partei in Ankara. Die Schaffung der 30 Kilometer breiten "Sicherheitszone" an der türkischen Grenze sei eine Vereinbarung von "historischer Bedeutung".

Erdogan kündigte zudem an, sich höchstwahrscheinlich noch im Januar mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen. Russland ist als Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad von entscheidender Bedeutung bei der Neuordnung Syriens.

Erdogan sagte nach der Rede vor Journalisten, die Schaffung der "Sicherheitszone" könne zusammen mit der internationalen Anti-IS-Koalition erfolgen, der auch die Türkei angehört. "Wenn die Koalition, insbesondere die USA, uns logistische und materielle Unterstützung stellt, können wir eine solche Sicherheitszone umsetzen", sagte Erdogan und fügte hinzu, die Zone könnte auch über 30 Kilometer hinaus ausgedehnt werden.

Eine 30 Kilometer breite "Sicherheitszone" an der Grenze würde Städte wie Kobane, Tal Abjad und Kamischli umfassen, und den Rückzug der YPG aus einem Gebiet von mehr als 12.000 Quadratkilometern erfordern.

Viele offene Fragen zur Sicherheitszone

Trump hatte am Sonntag eine "Sicherheitszone" von 20 Meilen (rund 30 Kilometer) ins Gespräch gebracht, sich aber weder dazu geäußert, wo sie geschaffen, noch von wem sie durchgesetzt werden sollte. Die türkische Regierung zeigte sich am Montag offen für Trumps Vorschlag, reagierte jedoch empört auf dessen Drohung, die USA würden "die Türkei wirtschaftlich zerstören, wenn sie die Kurden attackiert".

Am Montagabend dann telefonierte Erdogan mit Trump, wobei sie nach Angaben aus Ankara über eine "vom Terrorismus befreite" Zone sprachen. Außerdem hätten sie vereinbart, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu "vertiefen". Aus dem Weißen Haus hieß es, Trump habe zugesichert, die Sicherheitsbedenken der Türkei zu berücksichtigen. Zugleich habe er aber betont, dass die Sicherheit der US-Verbündeten in Syrien gewährleistet werden müsse.

Laut US-Außenminister Mike Pompeo soll die geplante "Sicherheitszone" sowohl die Türkei als auch die mit den USA verbündeten kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) schützen, die große Gebiete im Nordosten Syriens kontrollieren. Die Türkei fordert schon seit Jahren die Schaffung einer solchen Zone an ihrer Grenze, doch war sie damit bei Trumps Vorgänger Barack Obama auf Ablehnung gestoßen.

Alter Streitpunkt YPG

Der Umgang mit der YPG sorgt seit Jahren für heftigen Streit zwischen den USA und der Türkei. Ankara sieht die syrische Kurdenmiliz als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Die USA unterstützen die YPG jedoch mit Waffen und Luftangriffen im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien.

Die Türkei ist bereits mehrfach gegen die YPG vorgegangen, und Erdogan droht seit Mitte Dezember immer wieder mit einer neuen Offensive. Kurz vor Weihnachten kündigte Trump dann überraschend an, alle US-Truppen aus Syrien abzuziehen, da die IS-Miliz besiegt sei, relativierte dies aber inzwischen wieder. Sein Sicherheitsberater John Bolton machte einen US-Abzug unter anderem von Garantien der Türkei für die Sicherheit der YPG abhängig.

Die Türkei hat in den vergangenen Wochen zahlreiche Truppen an der Grenze zusammengezogen, jedoch erklärt, mit einer Offensive auf den Abzug der US-Truppen warten zu wollen.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP/rts

Mehr zum Thema