Politik

Opferzahlen zuletzt sehr hoch Ukraine: Russland beschießt gezielt Wohngebiete

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Das Einkaufszentrum in Krementschuk ist vollständig zerstört, 20 Menschen fanden den Tod. Für den Beschuss soll Russland laut britischen Experten eine nicht besonders zielgenaue Rakete verwendet haben.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Der Beschuss mit Raketen durch die russischen Truppen nimmt zuletzt wieder zu; immer öfter werden zivile Gebäude getroffen, mit hohen Opferzahlen. Die Ukraine wirft Russland vor, dies bewusst zu tun, um Druck auszuüben. Britische Experten haben dagegen eine andere Erklärung.

Gut vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs sieht der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak eine veränderte Kriegsführung der russischen Armee. "Es ist eine neue Taktik Russlands: Wohnviertel zu attackieren und Druck auf westliche politische Eliten auszuüben, um die Ukraine zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen", sagte Podoljak nach Berichten mehrerer Medien in Kiew. Moskau nehme keine Rücksicht darauf, wie die Welt auf "unmenschliche Angriffe" mit Marschflugkörpern auf Wohnviertel reagiere. Diese Taktik werde aber nicht aufgehen.

Der vermehrte Beschuss von Wohnvierteln muss jedoch nicht gezielte Taktik sein, er könnte auch mit dem Mangel an Präzisionswaffen zu tun haben. Denn laut britischen Experten setzt Russland vermehrt auf ungenaue Raketen. Es wird vermutet, dass die Vorräte an modernen, zielgenauen Waffen schwinden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Britische Experten: Kollateralschäden sind erheblich

Analysen von Überwachungsaufnahmen hätten beispielsweise ergeben, dass das Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk sehr wahrscheinlich von einer Rakete des Typs Ch-32 getroffen worden sei, hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse. Dabei handele es sich um eine Weiterentwicklung der sowjetischen Rakete Ch-22 (NATO-Code: AS-4 Kitchen), die aber noch immer nicht dafür optimiert sei, Bodenziele genau zu treffen, vor allem in Städten. "Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden beim Zielen auf bebaute Gebiete erheblich", betonte das Ministerium.

Bei Angriffen auf das südwestukrainische Gebiet Odessa am 30. Juni, bei denen es zahlreiche zivile Opfer gab, seien vermutlich Raketen vom Typ Ch-22 eingesetzt worden. "Diese Waffen sind sogar noch ungenauer und ungeeignet für zielgenaue Angriffe und haben in vergangenen Wochen so gut wie sicher zu wiederholten zivilen Opfern geführt", hieß es weiter.

Russland kämpfe nicht, um Gebietsgewinne zu erzielen, sondern um die Ukraine zu zerstören und eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa zu schaffen, schloss der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er verstehe nicht, "warum es im Westen immer noch einflussreiche Politiker gibt, die glauben, dass man mit Russland sprechen kann. Das ist Unsinn." Moskaus Taktik bestehe darin, die Welt so zu erschrecken, dass sie sich vom Krieg in der Ukraine abwende und sage: "Tut alles, was sie wollen. Hauptsache, dieser Horror geht nicht weiter, damit wir ihn nicht jeden Tag auf den Seiten unserer Zeitungen oder im Fernsehen sehen."

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 02. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, als/dpa

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