Politik

Wahl in Frankreich Erleichterung - unter Vorbehalt

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Hat beste Chancen, der nächste französische Präsident zu werden: Emmanuel Macron.

(Foto: imago/UPI Photo)

Frankreich hat gewählt und das in vielerlei Hinsicht extrem. Dennoch bietet das Ergebnis eher Grund zur Entwarnung als zur Hysterie.

Die Zukunft Europas - diesen Eindruck konnte man in den vergangenen Tagen manchmal haben - liegt einzig und allein in den Händen der Franzosen. Ist das Schicksal des krisengeplagten und zerstrittenen Kontinents nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl nun besiegelt? Mitnichten. Der Front National, die rechte Partei mit ihrer Anführerin Marine Le Pen, feiert sich nach dem Wahlabend zwar als Sieger. Nach dem ersten Wahlgang muss man jedoch eher zu einem anderen Urteil kommen: So wild die Franzosen insgesamt auch abgestimmt haben - die Resultate bieten eher Anlass zur Entwarnung als zur Panik.

Mit Emmanuel Macron hat sich ein eindeutig proeuropäischer Kandidat durchgesetzt und geht nun als Favorit in die am übernächsten Wochenende stattfindende Stichwahl. Umfragen sehen Macron klar vor Le Pen. Laut dem Institut Harris Interactive kann der junge Parteilose auf 64 Prozent hoffen, seine Rivalin hingegen nur auf 36. Wer jetzt einwendet, dass Umfragen ja ohnehin nichts mehr aussagen, dem sei die Lektüre der Prognosen vor dem ersten Wahlgang empfohlen. Die Meinungsforscher sagten das Ergebnis in Frankreich zuverlässig voraus.

Französische Verhältnisse

Ein Blick zurück: Bei der Präsidentschaftswahl 2002 war es dem Front National schon einmal gelungen, die Stichwahl zu erreichen. In der ersten Runde hatte Le Pens Vater Jean-Marie nur drei Prozentpunkte hinter Jacques Chirac gelegen. In der Stichwahl wählten jedoch nur knapp 18 Prozent den Rechten und 82 den konservativen Kandidaten. Auch wenn der Front National sich verändert hat und es Marine Le Pen in den vergangenen Jahren gelungen ist, die Partei zu entteufeln: Viel spricht dafür, dass diejenigen, die ihr Kreuz diesmal bei dem Republikaner François Fillon, dem Linken Jean-Luc Mélenchon und dem Sozialisten Benoît Hamon gemacht haben, mehrheitlich den gemäßigten Macron vorziehen werden.

Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der wichtigste europäische Partner weiterhin politisch schwierige Zeiten durchlebt. Zwar gibt es auch in Deutschland eine Politik- und Parteienverdrossenheit, aber diese ist längst nicht so weit vorangeschritten. Union und SPD erreichen zusammen eben immer noch etwa drei Viertel der Wähler, die AfD - das deutsche Pendant zum Front National - nur knapp zehn Prozent. Dass die (ehemals) großen Volksparteien wie in Frankreich nur noch 25 Prozent der Wähler abdecken und die Links- und Rechtsaußen-Parteien mehr als 40, ist hierzulande auf absehbare Zeit völlig unwahrscheinlich.

In Berlin gibt es daher nun zwei mögliche Interpretationsmöglichkeiten: Besorgnis darüber, wie viele Franzosen radikalen Versuchungen von links und rechts zugewandt sind. Oder eben Erleichterung, dass Deutschland von diesen französischen Verhältnissen weit entfernt ist. Und, dass nach US-Wahl und Brexit die nächste böse Überraschung wohl vorerst ausbleiben dürfte.

Quelle: n-tv.de

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