Politik

Anschlag in Karlsruhe vereitelt? Ermittler observierten Terrorverdächtigen

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Der Verdächtige wird von der Polizei abgeführt, er soll ein IS-Anhänger sein.

(Foto: dpa)

Dasbar W. soll einen Anschlag mit einem Fahrzeug geplant haben, ähnlich wie in Berlin. Die Sicherheitsbehörden bleiben ganz nah an ihm dran und nehmen ihn fest. Das erste Mal fällt er bei einer Aktion von Salafisten auf.

Mit der Festnahme eines Terrorverdächtigen in Karlsruhe haben die Sicherheitsbehörden nach Angaben des baden-württembergischen Innenministers Thomas Strobl auf eine "sehr ernste Bedrohung" reagiert. Der 29-jährige Dasbar W. habe sich "möglicherweise in der Vorbereitungsphase eines terroristischen Anschlags" befunden, erklärte der CDU-Politiker.

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Buden am Schlossplatz sollen das Ziel des Verdächtigen gewesen sein.

(Foto: imago/7aktuell)

Spezialkräfte der Polizei hatten den deutschen Staatsbürger am Mittwoch festgenommen. Es steht nach Angaben der Bundesanwaltschaft der Verdacht im Raum, dass er mit einem Fahrzeug einen Anschlag auf Stände an der Eisfläche auf dem Karlsruher Schlossplatz geplant hatte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wollte er einen Pkw, Kleinbus oder Sprinter nutzen. Der in Freiburg geborene Mann soll nun dem Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

Auch die Wohnung des alleinlebenden Terrorverdächtigen wurde durchsucht. Nach Angaben des Landeskriminalamts waren 70 Einsatzkräfte beteiligt. Die Ermittler stellten unter anderem mehrere Handys und PCs in dessen Wohnung sicher. Nun soll das Umfeld des 29-Jährigen beleuchtet und herausgefunden werden, ob ihn im Hintergrund jemand anleitete und unterstützte.

Verdächtiger war Ermittlern bekannt

Wie Strobl erklärte, stand der Verdächtige bereits seit Längerem unter Beobachtung. "Die Sicherheitsbehörden hatten den Tatverdächtigen genau im Blick und haben akribisch und umfangreich ermittelt." Es habe sich der Verdacht erhärtet, dass er die Ideologie der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vertrete.

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Die Eisbahn auf dem Schlossplatz.

(Foto: dpa)

Aus Sicherheitskreisen hieß es zudem, der Mann sei als Gefährder eingestuft und intensiv beobachtet geworden. "Da ist alles gemacht worden, was es gibt", sagte ein Sicherheitsexperte. Gefährder sind Personen, denen die Sicherheitsbehörden grundsätzlich zutrauen, dass sie schwerste Straftaten wie einen Terroranschlag begehen könnten. Die Zahl islamistischer Gefährder in Deutschland ist mittlerweile so hoch wie nie - derzeit sind es mehr als 720.

Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass W. den IS zunächst von Deutschland aus mit Propagandavideos unterstützt hatte, bevor er 2015 und 2016 in IS-Gebiete im Irak reiste. Im Juli 2017 kehrte er nach Erkenntnissen der Ermittler zurück nach Deutschland und begann dort mutmaßlich mit den Vorbereitungen für einen terroristischen Anschlag.

Laut Bundesanwaltschaft kundschaftete er ab Ende August die Gegend rund um das Karlsruher Schloss aus und bewarb sich seit September vergeblich bei Paketdiensten als Fahrer. Er habe erwogen, "unter anderem mit einem Kraftfahrzeug einen Anschlag auf die Stände rund um die Eisfläche auf dem Karlsruher Schlossplatz zu begehen", erklärte die Behörde.

An "Lies!"-Aktion von Salafisten beteiligt

Der Verdächtige war der Behörden erstmals mit Zusammenhang mit der islamistischen "Lies!"-Aktion aufgefallen. Die Verteilung in Innenstädten war die größte und aufwendigste Werbeaktion von Salafisten in Deutschland. Dahinter stand die 2005 gegründete Organisation "Die wahre Religion", die zuletzt mehrere hundert Mitglieder gehabt haben soll. Als Gründer und Initiator gilt der Laienprediger Ibrahim Abou-Nagie. Das Bundesinnenministerium hatte die Organisation 2016 verboten. Bundesweit seien rund 140 junge Islamisten nach einer Radikalisierung durch "Lies!" in die Kampfgebiete der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gereist.

Der geplante Anschlag hat nach Informationen der dpa nichts mit der Sperrung der Eisbahn Anfang Dezember zu tun. Damals hatte sich demnach eine Frau bei der Polizei gemeldet und von einer Äußerung erzählt, die sie gehört hatte. Es sei bei der Bemerkung um die künstliche Eisfläche gegangen.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa