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Mord an Michèle Kiesewetter Ermittler verfolgen Neoschutzstaffel-Spur

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In diesem Auto starb im September 2013 Florian H.

(Foto: dpa)

Der Mord an der Heilbronner Polizistin Kiesewetter wurde bislang dem NSU zugeschrieben. Doch ein Neonazi-Aussteiger brachte eine neue Spur ins Spiel. Die Ermittler schenkten dieser Aussage wenig Aufmerksamkeit - jetzt gibt es aber neue Erkenntnisse.

Im Fall der ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter geht die Polizei einer bislang vernachlässigten Spur nach. Die Ermittler haben Hinweise darauf, dass es Verbindungen zwischen der rechtsradikalen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund und Neonazi-Strukturen in Baden-Württemberg gab. Konkret geht es laut "Stuttgarter Nachrichten" um Kontakte zu einer rechtsextremen Gruppe, die sich Neoschutzstaffel nennt. Laut der Aussage eines Aussteigers soll diese Gruppierung für Kiesewetters Tod mit verantwortlich sein. Die Existenz dieser Neoschutzstaffel ist von Ermittlern bislang jedoch bezweifelt worden. Nun gibt es Hinweise, dass dies ein Irrtum war.

Die "Stuttgarter Nachrichten" beziehen sich auf die Worte eines Beamten im NSU-Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags. Dieser berichtete von den Aussagen des Neonazi-Aussteigers Florian H. Demnach hat es ein Treffen zwischen dem NSU und der Neoschutzstaffel in Öhringen, östlich von Heilbronn, gegeben. In Heilbronn war 2007 Kiesewetter ermordet worden. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt der Tat.

Laut H., der 2013 in einem brennenden Wagen gestorben ist, trifft dies jedoch nicht zu. Er bezeichnete den Prozess gegen NSU-Mitglied Beate Zschäpe als Farce. Nach den Aussagen seines Vaters soll er gewusst haben, wer hinter dem Mord an Kiesewetter steckt. H. war der Ansicht, dass neben Zschäpe weitere Personen auf die Anklagebank gehörten. In den Vernehmungen hatte er als Mittäter einen "Matze" genannt. Auch diese Version ist bislang von Ermittlern bezweifelt worden.

H. verbrannte in seinem Auto

Die Polizei hat "Matze" jedoch vor Kurzem identifiziert und damit die Glaubwürdigkeit H.s gestärkt. "Matze" kommt aus Neuenstein im Hohenlohekreis und ist derzeit Soldat bei der Bundeswehr. Er soll Mitglied der Neoschutzstaffel sein und habe die Buchstaben "NSS" auf seinem Körper tätowiert, schreiben die "Stuttgarter Nachrichten".

H. hatte vor seinem Tod über die Neoschutzstaffel ausgesagt. Die Ermittler hatten die Hinweise jedoch 18 Monate lang nicht weiter verfolgt. Nur wenige Stunden bevor H. dazu erneut vernommen werden sollte, ging im September 2013 die Meldung über einen brennenden Wagen in Bad Cannstatt ein. Laut Polizeivermerk handelte es sich um einen Selbstmord, H. habe sich mit Benzin übergossen und angezündet.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa

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