Politik

Programm zur Deradikalisierung Ex-Anwalt über Attentäter: "Er täuschte alle"

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Schwer bewaffnete Polizisten in der Wiener Innenstadt am Abend des Anschlags.

(Foto: imago images/photonews.at)

Den Sicherheitsbehörden ist schon länger bekannt, dass der mutmaßliche Attentäter von Wien dem IS nahesteht. 2019 wird er verurteilt, weil er zum Dschihad nach Syrien reisen wollte. Er wird aber vorzeitig aus der Haft entlassen - anscheinend, weil er nicht mehr als gefährlich eingestuft wird.

Der mutmaßliche Attentäter von Wien soll die Sicherheitsbehörden getäuscht haben. Medienberichten zufolge hatte er in Haft an einem Deradikalisierungsprogramm teilgenommen und war wegen günstiger Prognose vorzeitig entlassen worden. Der Anwalt Nikolaus Rast hatte ihn damals vertreten. Über seinen ehemaligen Mandanten sagte Rast dem österreichischen Nachrichtenportal "Heute", "er wollte eben nach Syrien, wurde in der Türkei gefasst. Seine eigene Mutter hatte ihn angezeigt, weil er sich radikalisiert hatte. Er täuschte dann alle, wurde bedingt entlassen." Rast betonte, er "konnte in keinster Wiese die Tat voraussehen. Ich verurteile sie und fühle mit den Hinterbliebenen."

Laut Innenministerium war der mutmaßliche Attentäter ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der 20-Jährige war einschlägig vorbestraft: Wegen des Versuchs, zum Dschihad nach Syrien zu reisen, war er im April vergangenen Jahres zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Anfang Dezember wurde der 20-Jährige mit nordmazedonischem und österreichischem Pass nach wenigen Monaten vorzeitig aus der Haft entlassen. Innenminister Karl Nehammer kritisierte, "es kam zu einer vorzeitigen Entlassung eines Radikalisierten".

Der ehemalige Anwalt des jungen Mannes, Rast, sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, sein früherer Mandant stamme aus einer völlig normalen Familie. "Für mich war das ein Jugendlicher, der das Pech gehabt hat, an die falschen Freunde zu geraten." Vor dem Wiener Landgericht hatte der mutmaßliche Terrorist im April 2019 angegeben, er habe sich vom IS ein besseres Leben erwartet. Laut der Tageszeitung "Der Standard" sagte er damals, er sei in die "falsche Moschee" geraten und habe von zu Hause weggewollt.

Attentäter handelte anscheinend allein

Die Ermittler gehen bisher davon aus, dass der 20-Jährige den Anschlag in Wien alleine beging. Bislang gebe es keine Hinweise auf einen zweiten Täter, sagte Nehammer. Er bezog sich dabei auf zahlreiche von der Bevölkerung übermittelte Handyvideos, die derzeit von der Polizei ausgewertet würden. Die erhöhte Sicherheitswarnung bleibe dennoch vorerst bestehen.

"Die Hilfe der Bevölkerung war überwältigend, wir haben ein Terrabyte an Daten erhalten", sagte Nehammer. Die Polizei habe bisher etwa die Hälfte der insgesamt 20.000 Videos ausgewertet. Zudem gab es mehr als ein Dutzend Hausdurchsuchungen und Festnahmen. "Es gab 18 Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich, und 14 Personen wurden vorläufig festgenommen", so der Innenminister. Nach jüngsten Erkenntnissen wurden bei dem Anschlag vier Passanten getötet und 22 weitere Personen verletzt. Der Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP/rts

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