Politik

Jung, radikal, vorbestraft Was über den Täter von Wien bekannt ist

Er wollte nach Syrien ausreisen, um sich dem IS anzuschließen - und war deswegen vorbestraft und in Haft. Der 20-jährige Täter von Wien stand seither im Fadenkreuz des Geheimdienstes. Einen Anschlag trauten ihm die Behörden einem Bericht zufolge aber nicht zu.

Nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt gehen die Behörden derzeit nicht von einem zweiten Täter aus. Dieser Eindruck ergebe sich aus der Sichtung unzähliger Videos von Augenzeugen, sagte Innenminister Karl Nehammer. Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden. Der Angreifer wurde in der Nacht von Polizisten erschossen. Zumindest über ihn werden allmählich Details bekannt.

Es handelt sich dabei um den 20-jährigen Kujtim F., der den Behörden bekannt war. Inzwischen hat es den Behörden zufolge 18 Hausdurchsuchungen und 14 Festnahmen in seinem Umfeld gegeben. Bei der Tat war F. mit einer Bombengürtel-Attrappe, einer verkürzten Kalaschnikow, einem Sturmgewehr, einer Faustfeuerwache sowie einer Machete bewaffnet.

F. war den Angaben zufolge wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorbestraft. Wie der österreichische Innenminister Karl Nehammer sagte, ist der Mann zweifelsfrei ein Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewesen. Er habe in der Vergangenheit versucht, nach Syrien auszureisen, um sich den Terroristen anzuschließen und sei infolgedessen am 25. April 2019 zu 22 Monaten Haft verurteilt worden. Demzufolge wurde er jedoch bereits am 5. Dezember vorzeitig entlassen, da er als junger Erwachsener Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes genoss. F. hatte den Angaben zufolge die Staatsbürgerschaft von Österreich und der Republik Nordmazedonien.

Beim Prozess im April anwesend war auch ein Journalist der Tageszeitung "Der Standard". Er schrieb damals, F. habe vor Gericht ausgesagt, er habe in der Pubertät begonnen, sich mit dem Islam zu beschäftigen und sei 2016 in die "falsche Moschee" geraten. Ab 2018 hätten dann seine Probleme in der Schule zugenommen, er habe sich zunehmend mit seinen Eltern gestritten. "Ich wollte weg von zuhause", sagte er dem Bericht zufolge . Vom IS habe er sich "ein besseres Leben" erwartet.

"Den Idealen des IS mittlerweile abgeschworen"

Mit einem Ferienjob hatte er demnach Geld für seine Ausreise gespart, das er in ein Flugticket nach Afghanistan investierte. Dort sollte er und ein Begleiter von IS-Kontaktmännern empfangen werden. Soweit kam es jedoch nicht, weil F. dem Bericht zufolge übersehen hatte, dass er für die Reise ein Visum benötigt. Stattdessen machte sich der Attentäter von Wien dann im September 2018 auf den Weg nach Syrien, wurde aber zuvor in der Türkei von der Polizei verhaftet und saß dort vier Monate in Haft. Wie "Der Standard" damals berichtete, war der Richter im Prozess überzeugt, "dass beide Angeklagten den Idealen des IS mittlerweile abgeschworen hätten".

Ob er einen oder mehrere Komplizen hatte, ist unklar. Der 20-Jährige hatte nahe der Hauptsynagoge in der Wiener Innenstadt um sich geschossen, dabei mindestens vier Menschen getötet und mehr als ein Dutzend weitere verletzt. Es kamen ein älterer Mann, eine ältere Frau, ein junger Passant und eine Kellnerin ums Leben, wie Kanzler Sebastian Kurz am Dienstag sagte. Mindestens sieben Menschen seien "in kritischem, lebensbedrohlichem Zustand", sagte eine Klinikverbandssprecherin.

Nehammer bestätigte außerdem, dass F. vor der Tat auf seinem Instagram-Account ein Foto veröffentlichte, das ihn mit zwei Schusswaffen und einem langen Messer zeigte. Dabei dürfte es sich um die Waffen handeln, die F. auch bei dem Anschlag verwendete. Auf dem Instagram-Foto sind neben dem Messer ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 und eine Pistole zu erkennen. Laut Polizei wurden bei dem Anschlag eine "automatische Langwaffe" und eine "Faustfeuerwaffe" verwendet. Der Täter unterschrieb das bei Instagram veröffentlichte Foto mit einem Treueschwur auf den Anführer des IS.

Der Tageszeitung "Falter" zufolge wurde F. im Jahr 2000 in Wien geboren. Seine Eltern seien in Sachen Islamismus unauffällig. Nach seinem Ausreiseversuch nach Syrien habe er mit 90 anderen Islamisten unter Beobachtung des österreichischen Geheimdienstes gestanden, so das Blatt. Den Angaben zufolge hätten ihm die Behörden aber nicht zugetraut, dass er in Wien einen Terroranschlag planen oder durchführen würde. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte im ORF, die Tat sei sehr professionell vorbereitet worden. Innenminister Nehammer sagte, der Täter habe "Panik" verbreiten wollen.

Quelle: ntv.de

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