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Verfassungsbeschwerde eingelegt Ex-SS-Mann Gröning will Haft abwenden

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Oskar Gröning im Gerichtssaal.

(Foto: picture alliance / dpa)

Alle Instanzen befinden Oskar Gröning für schuldig: Der "Buchhalter von Auschwitz" war an dem Mord von 300.000 Menschen beteiligt. Doch der mittlerweile 96-Jährige will nicht ins Gefängnis. Er wehrt sich mit dem letzten probaten Mittel.

Der wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilte frühere SS-Mann Oskar Gröning wehrt sich mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die drohende Haft. "Verfassungsrechtlich ist im Hinblick auf den Gesundheitszustand von Herrn Gröning zu prüfen, ob dessen Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit aus Artikel 2 des Grundgesetzes gewährleistet ist", sagte Grönings Anwalt Hans Holtermannn. "Nach Auffassung eines Sachverständigen ist er nicht haftfähig."

Das Oberlandesgericht Celle hatte zuletzt Einwände der Verteidigung des 96-Jährigen abgewiesen. Die Anwälte wollten einen Haftaufschub erreichen. "Der Senat geht auf der Basis eingeholter Sachverständigengutachten davon aus, dass der Verurteilte trotz seines hohen Alters vollzugstauglich ist", teilte das Gericht Ende November mit. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil im Herbst 2016 bestätigt. Damit blieb nur noch der Weg einer Verfassungsbeschwerde.

Gröning war im Lüneburger Auschwitz-Prozess im Juli 2015 zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Der von Journalisten "Buchhalter von Auschwitz" genannte frühere Freiwillige der Waffen-SS hatte eingeräumt, in dem Konzentrations- und Vernichtungslager Geld aus dem Gepäck der Verschleppten gezählt und weitergeleitet zu haben.

Wann die zuständige Staatsanwaltschaft Hannover dem 96-Jährigen nun die Ladung zum Strafantritt schickt, ist noch offen. "Die Akten sind heute eingetroffen", sagte Sprecherin Kathrin Söfker. Eine Verfassungsbeschwerde habe grundsätzlich zunächst keine aufschiebende Wirkung, sagte sie.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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