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Atomkraftwerk nahe Deutschland Experten: Tihange 2 ist nicht sicher

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Das Atomkraftwerk Tihange in Belgien.

dpa

Das belgische AKW Tihange ist umstritten. Risse in dem Reaktor bereiten schon lange Sorgen, doch der Betreiber beharrt darauf, dass die drei Reaktorblöcke vollkommen sicher seien. Unabhängige Atomexperten kommen nun zu einem anderen Schluss.

Das umstrittene belgische Kernkraftwerk Tihange 2 nahe der deutschen Grenze verletzt nach Einschätzung eines Experten-Netzwerks international anerkannte Sicherheits-Maßstäbe. Der Reaktor mit Tausenden Rissen müsse nach dem jetzigen Stand der Erkenntnisse vorerst stillgelegt werden, heißt es in einer Erklärung, die das Netzwerk Inrag bei seiner Fachtagung am Samstag in Aachen verabschieden will.

Der Betreiber Electrabel widersprach: "Die drei Reaktorblöcke von Tihange werden vollkommen sicher betrieben und erfüllen sämtliche Sicherheitsanforderungen der Kontrollbehörden". Nach Auffassung der Netzwerk-Experten ist die Herkunft der Risse im Reaktordruckbehälter nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt.

"Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen", sagte Professor Wolfgang Renneberg, früher Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium. "Ein Reaktorbehälter darf nicht kaputtgehen. Wenn er kaputtgeht, gibt es keine Sicherheitssysteme, die das auffangen", so Renneberg. Darum werde die ganze Sicherheit in die Qualität des Stahls und des Materials gesteckt. "Jetzt hat man den absoluten Sonderfall, dass hier bei einem Reaktordruckbehälter diese Prinzipien offensichtlich verletzt worden sind."

Bundesregierung hat ebenfalls Zweifel

Betreiber Electrabel betont dagegen, dass die Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 und dem zweiten Riss-Reaktor Doel 3 bei Antwerpen nach einer besonders umfangreichen wissenschaftlichen Analyse durch Dutzende von unabhängigen nationalen und internationalen Experten genehmigt worden sei.

Tihange 2 war nach der Entdeckung der Risse 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, ging aber 2015 wieder ans Netz. Auch die Bundesregierung hatte Zweifel an der Sicherheit in einem möglichen Störfall. Sie hatte Belgien deshalb gebeten, Tihange 2 vorerst vom Netz zu nehmen. Die belgische Atomaufsicht sah aber bisher keinen Grund dafür.

Aus Angst vor einem Atomunfall hatte es im August 2017 in der Region Aachen eine vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten gegeben. Die Region hatte beim Land Nordrhein-Westfalen darauf gedrungen, die Bevölkerung mit den Tabletten zu versorgen. Politik und Verwaltung bezweifeln, dass dies im Ernstfall rechtzeitig gelingen kann. 

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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