Politik

"Heimat für kritische Köpfe" FDP-Landesverband umwirbt Palmer

113015471.jpg

Ist begehrt bei den Liberalen: Boris Palmer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während die Grünen ihr "Enfant terrible" am liebsten loswerden wollen, buhlen die Liberalen in Baden-Württemberg ganz offen um die Gunst von Boris Palmer. Der Tübinger Oberbürgermeister hat zwar angekündigt, Mitglied seiner Partei bleiben zu wollen, bei der FDP sei er aber dennoch "herzlich willkommen".

Die baden-württembergische FDP hat dem Grünen-Politiker Boris Palmer ein Aufnahmeangebot unterbreitet. Der Landesvorsitzende Michael Theurer sagte der "Bild am Sonntag", Palmer sei bei den Liberalen "herzlich willkommen". Die FDP sei eine "Heimat für kritische Köpfe". Zuvor hatte der Landesvorstand der Grünen Palmer zum Parteiaustritt aufgefordert. Er warf dem Tübinger Oberbürgermeister vor, sich mit seinen Äußerungen gegen politische Werte und Grundsätze der Grünen zu stellen.

Die FDP halte kritische Stimmen in ihren eigenen Reihen aus, sagte Theurer. "Wir kämpfen für Meinungsfreiheit." Palmer lobte der FDP-Landesvorsitzende als intelligent und diskussionsfreudig. Der Kommunalpolitiker sei ein "streitbarer, kluger Kopf, der manchmal über das Ziel hinausschießt, nicht immer den richtigen Ton trifft, aber auch zur Einsicht fähig ist und den Diskurs der unterschiedlichen Meinungen sucht".

Bundesparteichef Lindner reagierte auf den Vorstoß Theurers weniger erfreut. Auf Twitter schrieb er, Palmer passe nicht zur FDP und fügte hinzu: "Wir brauchen ihn auch nicht."

Palmer hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Äußerungen für Empörung innerhalb und außerhalb seiner Partei gesorgt. Zuletzt hatte er in einem Interview zu den Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise gesagt: "Ich sag es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen."

Die Grünen-Parteispitze hatte sich daraufhin deutlich von Palmer distanziert. Einen Parteiaustritt schloss Palmer jedoch aus - der FDP sagte er auf Nachfrage ab. "Als Ökologe kann man unmöglich Mitglied der FDP werden", so Palmer. "Da hätte ich jeden Tag Streit in der Sache und nicht nur um Worte."

Quelle: ntv.de, jug/AFP