Politik

Vizebürgermeister von Braunau FPÖ-Autor des "Ratten-Gedichts" tritt zurück

imago90846277h.jpg

Dieses Bild zeigt das alte Rathaus am Stadtplatz in Braunau.

(Foto: imago images / Rudolf Gigler)

Der Vizebürgermeister von Braunau in Österreich veröffentlicht in einem Parteiblatt der FPÖ ein rassistisches Gedicht. Die Zeilen sorgen landesweit für Empörung. Jetzt legt Christian Schilcher sein Amt nieder. Es ist nicht der einzige Vorfall dieser Art bei der FPÖ.

Der FPÖ-Vizebürgermeister aus Adolf Hitlers Geburtsstadt Braunau am Inn ist nach der Veröffentlichung eines rassistischen Gedichts von seinem Posten zurückgetreten. Christian Schilcher werde als stellvertretender Bürgermeister zurücktreten und die FPÖ verlassen, um "Schaden von der Partei abzuwenden", teilte FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit. In dem am Wochenende in der örtlichen Parteizeitung veröffentlichten Text werden Vergleiche zwischen Ratten und Menschen gezogen.

Die Veröffentlichung des Gedichts sorgte für landesweite Empörung. Darin wird das Bild von fremden und österreichischen Ratten benutzt, um auf die Gefahren "vermischter" Kulturen hinzuweisen. Schilcher hatte das Gedicht geschrieben und war als Herausgeber des FPÖ-Blattes für den Inhalt verantwortlich.

*Datenschutz

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz von der konservativen ÖVP lobte den "klaren Schritt" des Koalitionspartners FPÖ in der Sache. "Der Rücktritt des Vizebürgermeisters von Braunau war die einzig logische Konsequenz zu diesem abscheulichen und rassistischen Gedicht", sagte Kurz.

Der Vorfall überschattet den Wahlkampfauftakt der rechtspopulistischen FPÖ für die Europawahlen im Mai. Die Partei kommt bei Umfragen derzeit auf etwa 23 Prozent. Kurz selber sieht sich wachsendem Druck ausgesetzt, sich klar gegen die Ausbrüche des Koalitionspartners zu positionieren. Die oppositionelle SPÖ forderte die Auflösung der Regierungskoalition, um den Ruf des Landes zu schützen.

Strache verweist auf antisemitische Homepage

FPÖ-Chef Strache war vergangene Woche selbst kritisiert worden, weil er bei Facebook auf eine Seite verwiesen hatte, auf der antisemitische Verschwörungstheorien und Holocaustleugnungen veröffentlicht wurden. Im März rückte die FPÖ wegen ihrer Verbindungen mit der sogenannten Identitären Bewegung in den Fokus. Die nationalistische Bewegung hatte Spenden vom mutmaßlichen Attentäter von Christchurch erhalten.

Die Veröffentlichung des Gedichts fiel ausgerechnet auf das Wochenende, an dem sich Hitlers Geburt in Braunau am Inn zum 130. Mal jährte. Der Besitzer seines Geburtshauses war im Dezember 2016 enteignet worden. Die Regierung wollte damit verhindern, dass das Haus von Neonazis genutzt wird.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP