Migrantinnen besonders gefährdetFast jeden Tag sexuelle Übergriffe in spanischer Exklave Ceuta

Die meisten Migranten sind wieder zurück in Marokko, doch die Lage auf Ceuta bleibt angespannt. Randalierer legten jüngst Feuer in einem Migrantenlager. Für Frauen ist die Lage besonders prekär, es kommt zu sexuellen Übergriffen - auch gegen Minderjährige.
Nach Angaben der spanischen Staatsanwaltschaft sind in der spanischen Exklave Ceuta seit dem massiven Zustrom von Migranten Ende Juli 23 Fälle sexueller Übergriffe registriert worden, darunter neun gegen Kinder. Dies bedeute, dass fast jeden Tag ein Fall verzeichnet werde, sagte einem Bericht der BBC zufolge die Generalstaatsanwältin von Ceuta, Silvia Rojas.
Zu den mutmaßlichen Tätern zählen vier Marokkaner, drei Spanier und ein Belgier, wie die Nachrichtenagentur Efe berichtet. Gegenüber der spanischen Zeitung "El País" erklärte Rojas, Migrantinnen seien "aufgrund ihres irregulären Aufenthaltsstatus in diesem Gebiet besonders schutzbedürftig".
Spaniens Regierung beschloss heute ein Hilfsprogramm im Umfang von 309 Millionen Euro für ihre von einem Massenandrang von Migranten betroffene Nordafrika-Exklave. Die Gelder sollen noch in diesem Jahr fließen, teilte die linke Regierung in Madrid mit. Das Hilfspaket für die Exklave mit rund 83.600 Einwohnern, die kleiner als der Frankfurter Flughafen ist, entspricht nach Regierungsangaben 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Ceuta.
Am 30. und 31. Juli waren nach Angaben von Innenminister Fernando Grande-Marlaska rund 72.000 Migranten von Marokko nach Ceuta geschwommen oder über Grenzzäune geklettert. Zuvor hatte es in Sozialen Medien Falschmeldungen gegeben, die Menschen würden nicht zurückgeschickt werden, wenn sie die Exklave schwimmend erreichten.
Unmut unter den Einheimischen wächst
Die meisten der Migranten kehrten binnen Stunden nach Marokko zurück. Auch einen Monat später waren nach Regierungsangaben noch etwa 5000 Migranten in dem Gebiet, darunter mindestens 1200 Minderjährige. Ein Teil der Einheimischen demonstriert zunehmend verärgert gegen die wochenlange Anwesenheit derart vieler Migranten und wirft der Regierung vor, die Exklave im Stich gelassen zu haben. Einige Einheimische gingen auch gewaltsam gegen Migranten vor.
Die Regierung Sánchez steht deshalb unter starkem Druck. Für diesen Mittwoch sind landesweite Solidaritätsdemonstrationen für die Bevölkerung Ceutas geplant, bei denen es auch wieder heftige Kritik an der Regierung geben dürfte. Die Exklave, die wie auch die zweite Nordafrika-Exklave Melilla seit Jahrhunderten zu Spanien gehört, wird auch von Marokko reklamiert.
Das nun beschlossene Hilfspaket für Ceuta sieht Mittel vor zur Stärkung öffentlicher Dienstleistungen, der Sicherheitskräfte, der Aufnahme von Migranten sowie zur Unterstützung von Unternehmen und Beschäftigten. Für grundlegende öffentliche Dienste sind 21 Millionen Euro vorgesehen, für Sicherheitsmaßnahmen 90 Millionen und für die Aufnahme und Versorgung von Migranten 118 Millionen Euro. Weitere 80 Millionen Euro sollen die lokale Wirtschaft sowie Selbstständige und Arbeitnehmer entlasten.