Politik

Flüchtlingsunterkunft zerstört Feuerwehrmann legte Brand bei Wismar

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Zum Tatzeitpunkt waren noch 14 Geflüchtete aus der Ukraine in dem Gebäude untergebracht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Brand einer Flüchtlingsunterkunft in MV sorgt bundesweit für Entsetzen. Eine fremdenfeindliche Tat ist nicht ausgeschlossen. Doch die Ermittlungen lenken den Verdacht auf einen Feuerwehrmann, der selbst bei den Löscharbeiten dabei war. In der Region mischen sich Erleichterung und Enttäuschung.

Beim Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft nahe Wismar hat die Staatsanwaltschaft keinen Hinweis auf einen politischen Hintergrund. Am Morgen wurde ein 32-jähriger Feuerwehrmann als Verdächtiger festgenommen. Es gebe keine staatsschutzrelevanten Erkenntnisse, sagte Oberstaatsanwältin Claudia Lange von der Staatsanwaltschaft Schwerin. "Wir gehen im Ergebnis der Ermittlungen davon aus, dass die Tat in Groß Strömkendorf Teil einer Brandserie ist." Der Verdächtige, der sowohl in der Berufs- als auch in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, streitet die Vorwürfe ab.

Das reetgedeckte ehemalige Hotel in Groß Strömkensdorf war in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober weitgehend abgebrannt. Die 14 ukrainischen Bewohner der Unterkunft und ihre drei Betreuer konnten sich unverletzt aus dem Gebäude retten. Die Tat schlug hohe Wellen, noch am selben Tag besuchten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Bundesinnenministerin Nancy Faeser den Brandort.

Bürgermeister: Enttäuschung für Ehrenamtler

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft stützen die direkt nach dem Großbrand in Teilen der Öffentlichkeit lautgewordenen Vermutungen einer rassistisch motivierten Straftat nicht. Diese entzündeten sich an einer Hakenkreuz-Schmiererei, mit der zwei Tage vor dem Brand ein Schild des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Gebäude beschmiert worden war. Auch die Ermittler hatten einen politischen Hintergrund deshalb zunächst nicht ausgeschlossen.

Die Anwohner in dem kleinen Ort dürften sich hingegen bestätigt sehen, sie hatten sich dagegen gewehrt, in die Nähe des Extremismus gerückt zu werden. Auch der Bürgermeister des zuständigen Amts Neuburg, Tino Schmidt, hatte sich umgehend vor seine Bürger gestellt. Die aktuellen Ermittlungsergebnisse wertete er jedoch nicht als Grund zur Erleichterung. Bewahrheite sich der Tatverdacht, so sei zwar die Brandserie aufgeklärt und der Vorwurf der rassistisch motivierten Tat vom Tisch. Für alle Ehrenamtler in der Region - wie die bei der Freiwilligen Feuerwehr - wäre dies jedoch eine Enttäuschung. Auch Landrat Tino Schomann, der in der Brandnacht vor Ort war und sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, sagte: "Einen Brandstifter in den eigenen Reihen zu haben, ist für jede Feuerwehr ein Alptraum."

Ungereimtheiten in Aussagen des Verdächtigen

Der Staatsanwaltschaft zufolge geht das Brandgutachten von einer vorsätzlichen Brandlegung aus, bei der auch ein Brandbeschleuniger zum Einsatz kam. Dem Verdächtigen zum Verhängnis wurde laut Kriminalpolizei aber nicht das Gutachten, sondern seine eigene Aussage: Diese passte demnach nicht zu den Angaben der restlichen über 120 befragten Anwohner und Einsatzkräfte. Diese Ungereimtheiten in Verbindung mit den gesicherten Spuren rechtfertigen laut Staatsanwaltschaft die Vermutung, dass sich der 32-Jährige bereits zur Tatzeit am Tatort befand. Er habe sich jedoch auch an den Löscharbeiten beteiligt.

Der dringende Tatverdacht erstreckt sich nicht allein auf den Brand der Flüchtlingsunterkunft, sondern auch auf drei weitere Feuer in einem Waldstück, einem Carport und einer Strohmiete. Zusätzlich sei er verdächtig, 15 weitere Brände seit April dieses Jahres gelegt zu haben.

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Der 32-Jährige wurde bereits der Haftrichterin vorgeführt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Bei einer Hausdurchsuchung wurden zudem weitere Beweise sichergestellt, die jedoch noch nicht ausgewertet worden seien.

Die Linksfraktion im Schweriner Landtag will einen rassistisch motivierten Anschlag trotz des aktuellen Ermittlungsstands noch nicht ausschließen: "Es war bekannt, dass unter dem Reetdach derzeit ukrainische Kriegsgeflüchtete untergebracht waren", sagte Innenexperte Michael Noetzel. Er verwies zudem auf kürzliche Übergriffe gegen Ukrainerinnen und Ukrainer im Land.

Quelle: ntv.de, fzö/jwu/dpa

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