Ex-FPÖ-AbgeordneterFluchthilfe für Marsalek? Schellenbacher freigesprochen

Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek befindet sich seit Jahren auf der Flucht. Ein früherer FPÖ-Abgeordnete wird nun vom Vorwurf freigesprochen, ihm bei dieser geholfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht direkt in Berufung.
Ein Gericht in Österreich hat einen ehemaligen Abgeordneten der rechtspopulistischen FPÖ vom Vorwurf der Fluchthilfe für den international gesuchten früheren Wirecard-Manager Jan Marsalek freigesprochen. Die Absicht, Marsalek zu helfen, sich der Strafverfolgung zu entziehen, habe Thomas Schellenbacher nicht nachgewiesen werden können, sagte eine Sprecherin des Gerichts.
Die Staatsanwaltschaft wirft Schellenbacher vor, Marsalek geholfen zu haben, vom Flugplatz Bad Vöslau rund 30 Kilometer südlich von Wien nach Belarus zu fliehen - und den Charterflug dabei vermittelt, organisiert und die Abwicklung überwacht zu haben, wie es im österreichischen "Kurier" heißt. Die Behörde meldete an, in Berufung zu gehen. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.
Das ehemalige Wirecard-Vorstandsmitglied Marsalek war 2020 kurz nach Bekanntwerden des Bilanzskandals bei dem Zahlungsdienstleister ins Ausland geflohen und wird international gesucht. Gegen Marsalek ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen mehrerer Vermögens- und Wirtschaftsdelikte. Laut einer im September veröffentlichten internationalen Medienrecherche lebt er derzeit unter falscher Identität in Moskau und soll für den russischen Geheimdienst arbeiten.
Laut dem "Kurier" betonte die Richterin in ihrer Begründung, es sei keine Absicht und auch kein persönliches Interesse Schellenbachers an einer Flucht Marsaleks nachweisbar gewesen. Zudem sei eine zentrale Frage unbeantwortet geblieben: Ob Marsalek zu diesem Zeitpunkt überhaupt bereits eine konkrete Straftat begangen hatte, konnte "nicht abschließend beurteilt werden". Somit fehle dem Begünstigungsvorwurf die rechtliche Grundlage, so die Richterin. Verurteilt wurde Marsalek, dessen Verbleib nicht abschließend geklärt ist, bis heute nicht.
Die Staatswanwaltschaft hatte dem "Standard" zufolge im Prozess darauf verwiesen, dass Schellenbacher in einer Einvernahme selbst angegeben habe, er habe geglaubt, Marsalek nie wiederzusehen.