Politik

Piräus wird zum "Schlachtfeld" Flüchtlinge gehen bei Athen aufeinander los

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Gestrandet: Im Hafen von Piräus haben tausende Menschen ihr provisorisches Lager aufgeschlagen.

(Foto: AP)

In einem provisorischen Flüchtlingscamp kippt die Stimmung: Im größten Hafen Griechenlands brechen schwere Krawalle aus. Syrer und Afghanen bewerfen sich mit Steinen. Auslöser der Zusammenstöße ist angeblich ein Fall sexueller Belästigung.

Im Hafen von Piräus ist es in der Nacht zu heftigen Zusammenstößen zwischen Afghanen und Syrern gekommen. Wie die griechische Nachrichtenagentur Ana unter Berufung auf die Hafenpolizei berichtete, wurden acht Menschen verletzt, zwei davon schwer. Auslöser war demnach ein Afghane, der eine syrische Frau belästigt haben soll.

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Kulturkreise prallen aufeinander: In den Flüchtlingslagern leben Menschen unterschiedlichster Herkunft dicht gedrängt nebeneinander.

(Foto: REUTERS)

Vom späten Abend an habe sich das Hafengelände zwischen den Anlegestellen E1 und E2 "in ein Schlachtfeld verwandelt", heißt es. Dutzende junger Afghanen und Syrer seien aufeinander losgegangen und hätten sich mit Steinen geworfen. Piräus liegt unweit der griechischen Hauptstadt und ist der wichtigste Hafen in der Ägäis. Hier beginnen und enden zahlreiche Fährverbindungen in die griechische Inselwelt.

Fast 6000 Menschen im Hafen

Die Krawalle wurden offenbar mit teils massiver Gewalt und ohne Rücksicht auf Unbeteiligte ausgetragen: Mit Steinen wurden zum Teil auch Scheiben der Wartehallen eingeworfen, in denen viele Menschen schlafen. Auch dort wurden Menschen verletzt, zwei davon am Kopf; unzählige weitere hatten kleinere Wunden und mussten medizinisch versorgt werden, wie der Fernsehsender Skai berichtete. Eine Frau sei mit Schock ins Krankenhaus gebracht worden. Die Polizei musste einschreiten, um die Krawalle zu beenden.

Am Hafen von Piräus leben derzeit 5800 Migranten; sie schlafen in den Wartehallen des Hafens und zelten im Freien. Angebote, in vorhandene Auffanglager umzusiedeln, haben sie bisher nicht angenommen. Viele hoffen immer noch, dass sich die Grenzen nach Mitteleuropa öffnen könnten, und befürchten, in den Auffanglagern "vergessen" zu werden. Auch der Zustand der Lager wird kritisiert.

"Tötet uns hier"

Auch auf den griechischen Inseln liegen die Nerven in vielen Flüchtlingslagern blank. Immer wieder kommt es zu teils gewaltsamen Zwischenfällen. Kurz vor Beginn der vereinbarten Rückführungen in die Türkei forderten Migranten auf Lesbos zuletzt mit Transparenten am Zaun des Internierungslagers bei Moria: "Tötet uns hier, aber schickt uns nicht in die Türkei zurück." Im "Hotspot" der Insel Chios und im Lager von Idomeni gerieten die Menschen wiederholt untereinander und mit der Polizei aneinander.

Wie am Vortag bekannt wurde, plant die Türkei im Rahmen der Vorbereitungen für die mit der EU vereinbarten Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland, die Menschen auch in die bestehenden Auffanglager an der türkisch-syrischen Grenze unterzubringen. Tausende Menschen würden damit nahe an den Ausgangspunkt ihrer Flucht zurückgeworfen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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