Politik

"Pünktchen stören beim Lesen" Frankreich verbietet Gendern an Schulen

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Keine Freunde der Gendersprache: Frankreichs Präsident Macron und Bildungsminister Blanquer (r) bei einem Schulbesuch Ende April.

(Foto: REUTERS)

Französische Schüler mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche sollen den Pünktchenkonstruktionen einer genderneutralen Sprache nicht mehr ausgesetzt sein. Per Erlass verbietet der Bildungsminister den Einsatz im Unterricht. Die Bildungsgewerkschaft wirft dem Minister Rückständigkeit vor.

Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat die Nutzung der genderneutralen Schriftsprache an Schulen und in seinem Ministerium verboten. Zur Begründung hieß es in dem ab sofort geltenden Erlass, die "inklusive" Schrift stimme nicht mit den in den Lehrplänen vereinbarten Regeln überein. Gleichzeitig aber sollen Berufe und andere Funktionen, wenn sie von Frauen ausgeübt werden, künftig in der weiblichen Form genannt werden.

Vor dem Bildungsausschuss der Nationalversammlung verteidigte Blanquer am Donnerstagabend die Maßnahme. Die Pünktchenwörter zur Umsetzung der geschlechtergerechten Sprache seien zu komplex und behinderten damit das Lesen sowie das Erlernen der französischen Sprache, sagte er. Zuvor hatte der Minister bereits darauf hingewiesen, wie schwierig die Vermittlung von Französisch sei, wenn in der Mitte von Wörtern Punkte gesetzt würden. Vor allem Schüler mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche würden sich damit schwertun.

Ziel der genderneutralen Sprache ist es, alle Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache gleichzustellen. Während im Deutschen dafür oftmals ein Sternchen genutzt wird, wie etwa in "Politiker*innen", verwenden die Franzosen mit Pünktchen versehene Begriffe wie "député.e.s" (Parlamentarier*innen) oder "électeur.rice.s" (Wähler*innen). Das Thema spaltet Gesellschaft und Politik. Die französische Bildungsgewerkschaft SUD warf Blanquer vor, der "pädagogischen Gemeinschaft seine eigene Rückständigkeit aufzuzwingen".

Merz lehnt sich an Vorbild Frankreich an

Bereits im November 2017 hatte der damalige Premierminister Edouard Philippe die französischen Ministerien angewiesen, keine genderneutralen Konstruktionen zu verwenden, nachdem ein Schulbuch mit solchen Ausdrücken für heftige Debatten gesorgt hatte. Auch die Académie française als oberste Hüterin des Französischen hatte sich damals gegen die "inklusive Sprache" ausgesprochen. Damals hieß es ebenfalls, es gehe um die "Verständlichkeit und Klarheit" der Sprache.

Zuletzt hatte der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz auch für Deutschland ein Verbot von geschlechterneutraler Sprache nach französischem Vorbild ins Spiel gebracht. Den wachsenden Zwang zum Gebrauch von Gendersprache halte er für "rechtlich angreifbar", sagte Merz dem "Spiegel". "Es gibt nach meiner Wahrnehmung einen kulturellen Konsens in der Republik - die überwiegende Mehrheit der Menschen lehnt die Gendersprache ab."

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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