Politik

Verletzt und Festnahmen Fremdenfeinde randalieren in Niederlanden

Der Stadtrat der Gemeinde Geldermalsen will über die Unterbringung von Flüchtlingen entscheiden. Doch dazu kommt es nicht. Proteste von Flüchtlingsgegnern erschüttern die Stadt. Die Krawalle eskalieren, die Polizei greift zu drastischen Mitteln.

Es läuft die entscheidende Abstimmung zur Unterbringung von rund 1500 Flüchtlingen in der niederländischen Gemeinde Geldermalsen. Doch bevor es zu einem Ergebnis kommt, muss die Polizei die Sitzung des Stadtrats abbrechen. Weil an der Fassade des Rathauses, in dem der Stadtrat tagt, ein Feuerwerkskörper gefunden wird, der zwar nicht explodiert, wird das Gebäude evakuiert und die Sitzung abgebrochen. So heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Außerdem versuchen mehrere Hundert Randalierer die Sitzung zu stürmen.

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Der Protest der Flüchtlingsgegner eskalierte, die Polizei wurde hart angegriffen.

(Foto: dpa)

Vor dem Gebäude kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Flüchtlingsgegner reißen behelfsmäßig aufgestellte Zäune ein, bewerfen die Polizisten mit Bierflaschen und schießen Feuerwerkskörper in Richtung der Sicherheitskräfte. Um den wütenden Mob – der sich vorwiegend aus jungen Leuten zusammensetzt – zu stoppen, geben die Polizisten Warnschüsse ab. Zwei Beamte und einige Demonstranten werden leicht verletzt. Es gibt insgesamt 14 Festnahmen.

Es sieht aus, wie auf einem Schlachtfeld

Zwar waren die niederländischen Behörden Medienberichten zufolge durch eine Überwachung der Social-Media-Kanäle alarmiert, dass es zu Protesten kommen würde. Doch dass diese ein solches – auch aggressives – Ausmaß annehmen könnten, war ihnen aber offenbar nicht klar. Augenzeugen berichten, dass es vor dem Gemeindehaus wie auf einem Schlachtfeld aussehe.

Wie der niederländische TV-Sender NOS berichtet, sollen etwa 2000 Menschen an den Protesten beteiligt gewesen sein - nur etwa 80 von ihnen seien extrem gewaltbereit gewesen. In der Gemeinde, die in der Nähe von Utrecht liegt, leben etwa 27.000 Menschen. Den niederländischen Behörden zufolge sind es die bislang heftigsten Anti-Flüchtlingsproteste im Land. Im Oktober hatten etwa 20 Vermummte in der Nähe von Utrecht Feuerwerkskörper auf eine Flüchtlingsunterkunft geworfen - es war damals der erste Vorfall dieser Art in den Niederlanden.

Die Regierung reagierte angesichts der Krawalle mit großem Entsetzen. Sitzungen der Gemeindeverwaltung müssten in einem demokratischen Rechtsstaat stattfinden können, betonte Innenminister Ronald Plasterk. "Dies ist eine abscheuliche Situation", sagte er im niederländischen Radio. Die Flüchtlingsaufnahme ist wie in anderen europäischen Staaten umstritten. Debatten auf örtlicher und nationaler Ebene gehen mitunter mit gegenseitigen Beleidigungen von Befürworten und Gegnern einher. Auch tauchten bereits Drohbriefe auf. Die Niederlande registrierten in diesem Jahr eine Rekordzahl von 54.000 Asylanträgen.

Quelle: ntv.de, tno