Politik

300 Kandidaten waren im Rennen Friedensnobelpreis geht an Welternährungsprogramm

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Nach Einschätzung des Nobelkomitees leistet das WFP einen Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten.

(Foto: REUTERS)

Es wurde viel spekuliert: die WHO, Alexej Nawalny oder gar Greta Thunberg? Ihnen allen wurde zugetraut, den diesjährigen Friedensnobelpreis zu erhalten. Am Ende entscheidet sich die Jury für ein klares Zeichen im Kampf gegen den Hunger - und zeichnet das UN-Welternährungsprogramm aus.

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Das gab das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt. Die UN-Organisation werde damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger, sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Preis-Bekanntgabe.

"Dies ist ein stolzer Moment", sagte WFP-Sprecher Tomson Phiri nach der Zuerkennung des Friedensnobelpreises in Genf. Phiri war in einer Pressekonferenz gerade dabei, über die Arbeit des WFP im Sudan zu berichten, als der Preisgewinn bekannt wurde. Der Preis sei eine Anerkennung sowohl für die Mitarbeiter als auch die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen in aller Welt. "Wir sind sprachlos", twitterte die Organisation zudem in einer ersten Reaktion.

"Wir haben auch in diesem Jahr geliefert und mehr als unsere Pflicht erfüllt", sagte Phiri. Das WFP habe trotz der weltweiten Reisebeschränkungen Hungrige versorgt. "Wir waren zu einem bestimmten Zeitpunkt die größte Fluggesellschaft der Welt", sagte er. Das WFP hat Flugzeuge gechartert, nachdem kommerzielle Flüge, die sonst viel Material für das WFP befördern, nicht mehr geflogen waren.

Kandidaten-Liste bleibt 50 Jahre lang geheim

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Die Nobelpreise sind diesmal mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) pro Kategorie dotiert, also mit einer Million Kronen mehr als im Vorjahr. Damals war Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Das Kandidatenfeld für den renommiertesten politischen Preis der Erde war in diesem Jahr groß gewesen - vorab kristallisierte sich kein klarer Favorit heraus. In den Wettbüros wurden die Weltgesundheitsorganisation WHO und Klimaaktivistin Greta Thunberg als Topfavoriten gehandelt. Experten hatten gemutmaßt, dass der Preis an eine Journalistenorganisation oder junge Aktivisten etwa aus dem Sudan oder aus Somalia gehen könnte. Auch der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny war im Gespräch.

Die Nobel-Institutionen selbst halten die Namen der Kandidaten - in diesem Jahr waren es 211 Persönlichkeiten sowie 107 Organisationen - 50 Jahre lang geheim. Der Friedensnobelpreisträger wird als einziger aller Nobelpreisträger nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet und geehrt. Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel. In diesem Jahr findet das sowohl in Oslo als auch in Stockholm wegen der Coronavirus-Pandemie in anderem und deutlich kleinerem Rahmen statt.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa