Politik

Schock über Kabul, Sorge um CDU Für Schäuble sieht es "verdammt nach Flucht aus"

Im Interview mit ntv zeigt sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble deprimiert über die Art und Weise, wie die NATO-Staaten Afghanistan verlassen. Anders als US-Präsident Biden sieht Schäuble sehr wohl Parallelen zum Saigon-Abzug. Sorge bereitet Schäuble auch die CDU.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat sich erschüttert über die Lage in Afghanistan gezeigt. "Es ist total deprimierend", sagte Schäuble in einem Interview mit ntv. Zwar hätten sich alle westlichen Nationen gleichermaßen verschätzt, wie schnell die Taliban vorrücken würden, aber die deutsche Evakuierung sehe "verdammt nach Flucht aus. Es erinnert an die Bilder von Saigon."

Zugleich kündigte er Konsequenzen an: "Der nächste Deutsche Bundestag wird das aufarbeiten", so Schäuble. Er deutete Versäumnisse an: "Dass man die Ortskräfte außer Landes bringen muss, war klar." Zugleich zeigte sich Schäuble offen für Verhandlungen mit den Taliban. Expertinnen auch von Frauenrechtsorganisationen sagten ihm, "dass man mit den Taliban auch verhandeln kann". Das halte er für "plausibel". Immerhin habe es "noch keine Taliban-Massaker gegeben", so Schäuble.

Schäuble warnt vor Anti-Laschet-Trend

Mit Blick auf die Situation in Deutschland kurz vor der Bundestagswahl zeigte sich der frühere CDU-Generalsekretär und Beinahe-Kanzlerkandidat von 1998 besorgt: "Für alle, die im Moment für die Union wahlkämpfen, ist das eine schwierige Situation", sagte Schäuble angesichts historisch schwacher Umfragewerte. Im Wahlkampf jetzt noch den Trend zu drehen, "das ist unser Problem", so Schäuble. "Solche Trends bergen immer die Gefahr, dass sie sich verfestigen."

Die "komplizierte Lage" für Armin Laschet sei, dass "er sich ja nicht von der Bundeskanzlerin distanzieren kann". Zugleich wisse jedermann, wie Gerhard Schröder 1998 nach 16 Jahren Helmut Kohl die Bundestagswahl gewonnen habe, so Schäuble. "Die SPD hatte einfach den Slogan: 'Danke, Helmut. Es reicht.'" Dennoch zeigte sich Schäuble zuversichtlich für die verbleibenden Wahlkampf-Wochen. "30 Prozent sind mindestens das Ziel. Wenn wir fünf Wochen kämpfen, können wir das schaffen."

Nur jeder vierte Merkel-Wähler will Laschet

Im aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer liegt die Union mit 23 Prozent nur noch 2 Prozentpunkte vor der SPD, die sich ihrerseits mit 21 Prozent 2 Prozentpunkte vor die Grünen (19 Prozent) geschoben hat. Dahinter folgt mit 12 Prozent die FDP, woraus sich eine Vielzahl möglicher Dreier-Koalitionen ergibt. Auch ein Bündnis von SPD und Grünen mit der Linken, die bei 6 Prozent rangieren, käme auf eine Mehrheit im Bundestag.

In der Kanzlerpräferenz liegt SPD-Kandidat Olaf Scholz mit jetzt 29 Prozent 17 Prozentpunkte vor Unions-Kanzlerkandidat Laschet, der unverändert 12 Prozent erreichte. Das Problem der Union: Unter den Wählern, die 2017 CDU oder CSU gewählt haben, würden sich derzeit nur 24 Prozent für Laschet entscheiden, wenn der Kanzler direkt gewählt würde. In dieser Gruppe schneidet der SPD-Kandidat besser ab: Scholz käme bei den Unionswählern der vergangenen Bundestagswahl auf 27 Prozent.

Quelle: ntv.de, shu

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen