Politik

GPS-Pakete per Post verschicktMutmaßliche Russland-Spione wegen Sabotageplänen vor Gericht

17.03.2026, 10:11 Uhr
imageVon Leonie Oltmann
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Der-Eingang-zur-russischen-Botschaft-Unter-den-Linden-Nr-63-Die-Bundesanwaltschaft-hat-in-Koeln-Konstanz-und-der-Schweiz-drei-Maenner-wegen-mutmasslicher-Agententaetigkeit-festnehmen-lassen
Der Eingang zur russischen Botschaft Unter den Linden in Berlin. (Foto: picture alliance/dpa)

Erst GPS-Pakete als Testlauf, dann Brandsätze per Post: Drei Ukrainer stehen seit heute vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Die Anklage: Spionage, Sabotage und geplante Brandstiftung im Auftrag für Russland.

Drei Ukrainer sollen als Agenten für einen russischen Nachrichtendienst gearbeitet haben. Ab heute müssen sie sich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Ihnen wird geheimdienstliche Agententätigkeit, Spionage zu Sabotagezwecken und Verabredung zur schweren Brandstiftung vorgeworfen. Der Prozess ist zunächst bis Ende September angesetzt.

Generalbundesanwalt Jens Rommel ist überzeugt, dass die Angeklagten Anschläge geplant haben. Konkret sollen sie Pakete mit GPS-Trackern in Richtung Ukraine verschickt haben, um Versandrouten und Transportwege auszuspionieren. Danach sollten Brandsätze folgen.

"Solche Pakete sollten sich in Deutschland oder sonst auf dem Weg in nicht von Russland besetzte Teile der Ukraine entzünden und möglichst großen Schaden verursachen", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Ziel sei gewesen, Unsicherheit und Angst zu erzeugen. Auch die deutsche Solidarität für die Ukraine sollte so untergraben werden.

Was ist passiert?

Im Mai vergangenen Jahres ließ die Bundesanwaltschaft die drei Ukrainer festnehmen: den 30-jährigen Yevhen B. in der Schweiz, den 22-jährigen Daniil B. in Köln und den 25-jährigen Vladyslav T. in Konstanz. Yevhen B. wurde im Dezember nach Deutschland ausgeliefert.

Laut Anklage der Bundesanwaltschaft arbeiteten die drei Männer arbeitsteilig: Yevhen B. erhielt in der Schweiz einen Auftrag aus dem russisch besetzten Mariupol. Zwei Testpakete sollten mit aktiven GPS-Trackern in Richtung der Ukraine aufgegeben werden. Aus der Schweiz heraus initiierte der 30-Jährige die Aktion und stellte die Paketinhalte. In Deutschland führten Daniil B. und Vladyslav T. den Auftrag dann aus.

Routen und Versandwege seien auf diese Weise ausspioniert worden, heißt es in der Anklage. Mithilfe der gewonnenen Informationen sollten später gezielt Brandsätze verschickt werden.

Dazu kam es aber nie. Die Testpakete führten die Polizei und den Verfassungsschutz zu den Beschuldigten. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen und erhob im Dezember und Januar Anklagen.

Sind das Ukrainer oder Russen mit gefälschtem Pass?

Offiziell sind die Angeklagten Ukrainer. Doch ihre Herkunft wird infrage gestellt. Pässe seien leicht zu fälschen und den russischen Geheimdiensten gehe es darum, die Ukrainer zu diskreditieren, heißt es nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland aus Sicherheitskreisen in Berlin. "Die haben zwar ukrainische Pässe, sind aber tatsächlich Russen."

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nach Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) auch in Deutschland eine neue Dimension der Spionage und Einflussnahme ausgelöst. Ein Netzwerk aus staatlichen und staatlich gesteuerten sowie privaten Akteuren prägt demnach die nachrichtendienstliche Bedrohungslage durch Russland.

"Echte" Spione oder Wegwerfagenten?

Besonders an dieser Anklage: Die Männer sollen gewusst haben, dass ihre Paketversendungen Teil eines größeren Sabotageplans eines russischen Geheimdienstes waren - und nicht nur harmlose Lieferungen. Lässt sich das nachweisen, hebt es sie von sogenannten "Low-Level-Agenten" oder "Wegwerfspionen" ab, die nur unklare Aufträge ausführen, ohne selbst zu wissen, was das eigentliche Ziel dahinter ist.

Nach Einschätzung des BfV ist eine verstärkte Tendenz Russlands zu erkennen, Kleinkriminelle gegen Bezahlung für Spionage und Sabotage einzuspannen. Der Einsatz professionell ausgebildeter Agenten sei durch Sanktionen und die wachsame Beobachtung westlicher Geheimdienste deutlich schwieriger geworden.

Ist der Prozess Teil einer russischen Sabotagewelle?

Der Prozess reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Fälle, jedoch ohne direkte Verbindungen. Im Juli 2024 brannte ein Luftfrachtpaket im DHL-Logistikzentrum in Leipzig. Deutschland entging damals nur knapp einem Flugzeugabsturz, so der Verfassungsschutz. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass das Paket am Boden und nicht während des Fluges in Brand geraten sei, teilte der frühere BfV-Präsident Thomas Haldenwang mit.

Im Februar 2025 wurde bekannt, dass Ermittler eine Reihe von Auto-Sabotagen in mehreren Bundesländern prüfen. Nach ersten Einschätzungen spreche vieles dafür, dass die Täter für ihre Aktionen aus Russland bezahlt wurden. Die Unbekannten füllten Auspuffrohre mit Bauschaum und hinterließen Zettel mit Grünen-Slogans – offenbar, um den Verdacht im Bundestagswahlkampf auf die Grünen zu lenken.

Quelle: ntv.de

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