Gegen Gewalt bei KontrolleRegierungschefs fordern Passfoto auf Deutschlandticket

In den vergangenen Monaten häufen sich die Angriffe auf Zugbegleiter, im Februar endet eine Kontrolle tödlich. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz schlägt nun vor, wie Bahnpersonal geschützt werden könnte. Sein Ansatz findet in mehreren Bundesländern Unterstützung.
In der Debatte über mehr Sicherheit für Zugbegleiter erhält der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer Unterstützung für seinen Vorstoß, das Deutschlandticket künftig mit einem Passbild zu versehen. Dies würde Ausweiskontrollen überflüssig machen, die oft Anlass für Übergriffe von Fahrgästen sind. "Ich finde den Vorschlag von Herrn Schweitzer gut und unterstütze ihn", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) in Berlin.
In Rheinland-Pfalz war Anfang Februar ein 36 Jahre alter Zugbegleiter bei der Ticketkontrolle von einem Fahrgast attackiert und tödlich verletzt worden. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Der mutmaßliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt seither in Untersuchungshaft. Der SPD-Politiker Schweitzer ist derzeit MPK-Vorsitzender. Zusammen mit dem Co-Vorsitzenden, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, traf er sich vor den Beratungen der Länderregierungschefs mit dem Vorsitzenden der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert.
Auch Kretschmer begrüßte Schweitzers Vorstoß. "Jedes Schülerticket in Deutschland ist mit einem Passbild versehen. Das kann man auch beim Deutschlandticket machen." Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sagte: "Wenn die direkte Identifizierung helfen könnte, mehr Sicherheit zu geben, (...), bin ich erst mal für jede Lösung offen." Momentan kann ein Zugbegleiter nicht eindeutig feststellen, ob ein Deutschlandticket auf dem Handy wirklich dem Fahrgast gehört, der es ihm zeigt. Dieser kann es beispielsweise auch per Screenshot von jemand anderem aufs Handy bekommen haben und damit schwarzfahren.
Verlangt der Zugbegleiter einen Personalausweis, dann ist dies nach der Schilderung von Betroffenen oft Auslöser für verbale oder gar körperliche Attacken. Schweitzer betonte, ein gutes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr und auf der Schiene sei ohne Sicherheit nicht zu bekommen. Hier seien die Ministerpräsidenten, die Bundesregierung und die Verkehrsunternehmen in der Verantwortung. "Uns ist wichtig, dass wir kein Verantwortungs-Pingpong betreiben, sondern dass wir gemeinsam vorankommen."
EVG-Chef Burkert erneuerte seine Forderung nach einem zweiten Zugbegleiter für jeden Zug. Hier seien im Schienenpersonennahverkehr die Länder verantwortlich. Nötig wären etwa 3000 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Kretschmer rechnete vor: "Zwei Personen auf jedem Zug - eine Milliarde mehr an Kosten. Das werden wir alle miteinander auch spüren an den Tickets. Und wenn wir das nicht wollen, dann muss es andere Möglichkeiten geben."