Politik
Im sächsischen Bautzen wurde im Februar eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Brand gesetzt.
Im sächsischen Bautzen wurde im Februar eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Brand gesetzt.(Foto: dpa)
Mittwoch, 09. November 2016

Straftaten mehr als verdoppelt: Gewalt gegen Ausländer nimmt stark zu

Städte wie Bautzen, Heidenau oder Freital sind aufgrund rechtsextremer Gewalt in die Schlagzeilen geraten - doch sie sind keine Einzelfälle mehr. Politisch motivierte Straftaten nehmen weiter zu. In Ostdeutschland ist der Anstieg besonders deutlich.

Die Zahl der Straftaten gegen Ausländer in Teilen Ostdeutschlands ist zuletzt deutlich angestiegen. In Sachsen habe sich die Zahl fremdenfeindlicher Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, teilte das Landeskriminalamt (LKA) in Dresden dem MDR-Magazin "Exakt" mit. Wurden demnach zwischen Januar und Juni 2015 noch 25 politisch motivierte Straftaten gegen Unterkünfte registriert, waren es ein Jahr später bereits 70.

In Sachsen-Anhalt wurden dem LKA in Magdeburg zufolge seit Januar 182 politisch motivierte Straftaten gegen Ausländer verübt. Das entspricht demnach einem Anstieg von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Thüringen wurden laut LKA in Erfurt im ersten Halbjahr 63 politisch motivierte Straftaten gegen Flüchtlinge und Asylbewerber begangen.

"Man hat sich an Gewalt gewöhnt"

Bereits am Freitag hatte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mitgeteilt, dass es in diesem Jahr bundesweit bereits mehr als 1800 Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlinge sowie 800 Taten gegen Asylunterkünfte gab. Zwar seien die Fallzahlen bundesweit seit Februar deutlich zurückgegangen, dennoch bewegten sie sich noch immer auf hohem Niveau.

Der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena kritisierte, dass die Steigerung des Gewaltpotenzials in der Gesellschaft nicht wahrgenommen werde. "Man hat sich tatsächlich in der öffentlichen Debatte daran gewöhnt - dieser Prozess der Normalisierung ist fast noch bedenklicher als die Zunahme der Gewalt", sagte er dem MDR.

Quelle: n-tv.de

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