Politik

Weniger Teilnehmer in Köln Gewaltbereite Kurden bleiben Großdemo fern

Vor der pro-kurdischen Demonstration in Köln ist die Sorge um die Sicherheit groß. Die Polizei warnt vor Tausenden gewaltbereiten Teilnehmern und möglichen Provokationen. Doch die Kundgebung verläuft friedlich.

Die befürchtete Eskalation einer pro-kurdischen Kundgebung in Köln gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien ist ausgeblieben. Die Demonstration durch die Innenstadt sei weitgehend störungsfrei verlaufen, Gesetzesübertretungen seien überschaubar geblieben, teilte die Polizei mit. Demnach waren mehr als 10.000 Teilnehmer gekommen - weniger als erwartet.

Auch in anderen deutschen Städten gingen Tausende gegen die Militäroffensive der Türkei auf die Straße, etwa in Hamburg, Berlin oder Stuttgart. In Frankfurt am Main etwa demonstrierten rund 4500 Menschen friedlich.

Die Sorge vor einer Eskalation war in Köln zunächst unübersehbar: Hunderte Polizisten bewegten sich neben dem rot-gelb-grünen Fahnenmeer her, auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Am Vorabend hatte der Polizeipräsident gewarnt: Man rechne mit mehreren Tausend gewaltbereiten Demonstranten, in ganz Europa sei zum Marsch in Köln aufgerufen worden. Türkische Nationalisten könnten sich unter die Kurden mischen und provozieren.

Diese blieben aber nun fern. Mehrere Male musste die Demo jedoch kurz angehalten werden, etwa wegen eines PKK-Rufs oder einer verbotenen Flagge der kurdischen Arbeiterpartei. Die Beamten schrieben entsprechende Anzeigen.

"Wir sind ja wegen des Friedens hier"

Bereits zum Auftakt wurde auf dem Ebertplatz nicht gekämpft, sondern gesungen und getanzt. "Wir sind ja wegen des Friedens hier. Das wäre total widersprüchlich", sagte die 27-jährige Kurdin Canan Üzrek, die in Köln geboren ist.

Die Demonstranten sorgten für Aufsehen, als sie zu Tausenden von zwei Orten aus Richtung Hohenzollernring durch die Innenstadt zogen. Anwohner schauten aus den Fenstern, Kameraleute kletterten auf Baugerüste, Café-Besitzer standen vor den Türen. Kurz vor der Demo hatte die Polizei noch mit mehr als 20.000 Teilnehmern gerechnet. Die Stadt ließ Cafés und Restaurants extra die Tische und Stühle wegräumen, damit sie nicht als Wurfgeschosse missbraucht werden konnten.

Die jüngsten Ereignisse in Nordsyrien schlagen bereits seit Tagen auch in Deutschland hohe Wellen. "Deutsche Panzer raus aus Rojava", riefen die Protestierenden mit Bezug auf deutsche Waffenlieferungen in die Türkei, die bei einer solchen Offensive wie in der nordsyrischen Provinz zum Einsatz kommen könnten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wurde wiederholt als "Terrorist" bezeichnet. Deutschland dürfe sich nicht "an die Seite eines Despoten stellen", hieß es. Es reiche nicht, wenn die Bundesregierung den türkischen Einmarsch verurteile - aus Angst vor dem Ende des Flüchtlingsdeals, mit dessen Aufkündigung Erdogan der EU bereits wiederholt drohte. Die Veranstalter in Köln, darunter viele linke Bündnisse, forderten konkrete Maßnahmen von der Bundesregierung - etwa erneut den UN-Sicherheitsrat einzuberufen oder im Europarat auf die Türkei einzuwirken.

"Total übertrieben und lächerlich", fand eine junge Teilnehmerin das massive Aufgebot der Polizei. Man sei eine "Demonstration gegen den Krieg und für die Demokratie", betonte eine Sprecherin auf der Abschlusskundgebung. Darauf, dass die Polizei mit ihrer Präsenz ihr Recht zum Demonstrieren auch schützen wollte, wurde kein Bezug genommen.

Quelle: n-tv.de, Larissa Schwedes und Bettina Grönewald, dpa