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Angeblich in Moschee Bier getrunken Gezi-Demonstranten zu Haftstrafen verurteilt

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Am Taksim-Platz protestierten Tausende gegen die Regierung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Gezi-Proteste im Sommer 2013 erschüttern die Türkei: Anfangs richten sie sich gegen die Bebauung eines Parks - später gegen Erdogan. Der lässt die Demonstrationen niederknüppeln. Es gibt Tote. Jetzt verurteilt ein Gericht mehr als 200 der Teilnehmer.

Mehr als zwei Jahre nach den Gezi-Protesten in der Türkei sind mehr als 240 Demonstranten zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in Istanbul verhängte gegen insgesamt 244 Angeklagte Haftstrafen von bis zu 14 Monaten. In dem Massenprozess hatten insgesamt 255 Menschen vor Gericht gestanden, darunter auch sieben Ausländer.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen unter anderem Sachbeschädigung, Unterstützung von Kriminellen und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen und Strafen von bis zu zwölf Jahren Haft verlangt.

Die Gezi-Proteste hatten sich im Juni 2013 zunächst gegen die geplante Zerstörung des kleinen Gezi-Parks am Istanbuler Taksim-Platz gerichtet, wo die Stadtverwaltung ein Einkaufszentrum bauen wollte. Angesichts des harten Vorgehens der Polizei und der unnachgiebigen Haltung der Regierung weiteten sich die Demonstrationen zu landesweiten Protesten gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus. Bei gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei wurden acht Menschen getötet, mehr als 8000 weitere wurden verletzt.

In Moschee geflüchtet

Vier der Angeklagten wurden bei dem Massenprozess wegen der Verschmutzung eines religiösen Orts zu zehn Monaten Haft verurteilt. Sie hatten sich zusammen mit dutzenden anderen Demonstranten in die Dolmabahce-Moschee am Ufer des Bosporos geflüchtet, um den Straßenschlachten mit der Polizei zu entkommen. Erdogan warf ihnen daraufhin vor, das Gotteshaus mit Schuhen betreten und dort Bier getrunken zu haben. Der Imam der Moschee erklärte jedoch, dass in dem Gebäude kein Alkohol konsumiert worden sei.

Im April hatte ein Gericht in Istanbul rund zwei Dutzend Anführer der Gezi-Proteste freigesprochen. Unter den Angeklagten des international kritisierten Prozesses waren Ärzte, Ingenieure und Architekten.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP

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